Tomboy – Die sexuelle Selbstfindung eines kleinen Mädchens


Das französische Drama Tomboy handelt von der zehnjährigen Laure, die zwar als Mädchen geboren wurde, sich aber als Junge fühlt. Dadurch gerät sie in einen Konflikt zwischen Wahrheit und körperlicher Identität, der einige Probleme nach sich zieht. Trotz der kindlichen Erzählweise eignet sich der Film hervorragend für eine Nachbesprechung und Diskussion im Schulunterricht.

Mit zehn Jahren ist der weibliche Körper noch nicht vollständig ausgebildet, und genau das macht sich Laure (Zoé Héran) zu ihrem Vorteil: Gefangen im eigenen Körper möchte sie eigentlich ein Junge sein. Der Umzug mit ihrer Familie in eine neue Umgebung kommt ihr daher gerade recht, um ihre Identität zu wechseln. Mit kurzen Haaren und jungenhafter Kleidung gelingt es ihr, unter dem Namen Michaël, die neugewonnenen Freunde von ihrem neuen Geschlecht zu überzeugen.

Ihre Eltern lässt sie darüber im Unwissen. Nur ihre sechsjährige Schwester Jeanne (Malonn Lévana) ist eingeweiht und steht Laure verständnisvoll zur Seite. Laure spielt Fußball mit den Jungs, trägt zum Spaß Kämpfe aus und auch bei einem Badeausflug fliegt ihre Tarnung nicht auf. Als Laure sich allerdings in die gleichaltrige Lisa (Jeanne Disson) verliebt, fangen die Probleme erst an.

„Tomboy“ beschreibt die ernste Auseinandersetzung mit der sexuellen Identitätsfindung in der beginnenden Pubertät. Die Regisseurin Céline Sciamma versteht es, mit ihrem ruhigen Film das Gefühlschaos der zurückhaltenden Laure darzustellen, ohne die Emotionen überspitzt wiederzugeben. Vor allem die Beziehung der zwei Schwestern ist faszinierend ausgearbeitet.

Die kleine Jeanne ist das absolute Gegenteil ihrer Schwester. Mit ihren langen braunen Locken und den rosa Kleidchen ist sie ein typisches Mädchen. Durch die vielen Umzüge in ihrer Kindheit und der erneuten Schwangerschaft ihrer Mutter haben die Mädchen ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zueinander entwickelt. Daher ist Jeanne auch die einzige, die weiß, dass ihre große Schwester lieber ein Junge wäre und ihr hilft, das Bild vom „großen Bruder“ aufrecht zu erhalten.

„Tomboy“ kommt mit seiner kritischen Thematik ohne viele Worte aus, wodurch er sich aus dem Wust von Actionfilmen heraushebt. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben und geht das komplizierte Thema auf eine kinderfreundliche und unschuldige Art an. Durch fehlende Erklärungen von Erwachsenen kann die Problematik allerdings von jüngeren Kindern nicht ganz erfasst werden. In jedem Fall ist „Tomboy“ ein sehenswertes Drama und eignet sich hervorragend für eine Besprechung im Unterricht. Für Eltern ist es empfehlenswert, mit ihren Kindern im Nachhinein über das Gesehene zu sprechen.

Der Film startete am 03.05.2012 in den deutschen Kinos.

Gina Hoffmann

Bildquellen:
© 2011 Rocket Releasing