Viele Kinderbuch-Apps haben ein hohes Leseförderpotential
Dr. Sigrid Fahrer von der Stiftung Lesen erklärt im Interview, welche Vorteile und Risiken Kinderbuch-Apps haben und worauf Eltern bei Auswahl und Nutzung achten können.
Eine gute Kinderbuch-App erzählt eine Geschichte, bei der Bilder, Töne und Antippen die Handlung unterstützen, statt von ihr abzulenken - und sie kommt ohne Links zu sozialen Netzwerken und ohne versteckte In-App-Käufe aus. Worauf es bei der Auswahl und beim gemeinsamen Nutzen genau ankommt, erklärt Dr. Sigrid Fahrer von der Stiftung Lesen im Interview weiter unten.
Das Interview auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Format | Interview mit einer Expertin der Stiftung Lesen |
| Hauptthema | Vorteile und Risiken von Kinderbuch-Apps |
| Empfehlung | vor der Weitergabe selbst ausprobieren und anfangs gemeinsam nutzen |
| Besonders wichtig | Vorlesen bleibt wichtig, auch wenn Kinder schon selbst lesen können |
Die folgenden Antworten gab Dr. Sigrid Fahrer von der Stiftung Lesen medienbewusst.de in einem Interview zu Kinderbuch-Apps.
Vorteile digitaler Leseangebote
Ich würde gar nicht so sehr von Vorteil oder Nachteil sprechen - es hängt immer von der Situation ab. Aber wir untersuchen natürlich das Leseförderpotential der neuen Medien und haben dabei herausgefunden, dass diese ein enormes Potential in sich haben, was das familiäre Lesen angeht. Zum Beispiel zeigt die Vorlesestudie 2012, dass gerade die Väter motiviert werden können, mit den digitalen Medien vorzulesen.
Auch die Kinder werden auf eine neue Art zum Lesen motiviert. Animierte Bilder helfen außerdem enorm gut beim Lesen lernen. Im Gegensatz zum Printbuch gibt es oft auch noch Geräusche, die neben den Bildern zusätzliche Hilfestellungen geben. Das kommt grade den schwachen Lesern zugute.
Worauf Eltern achten sollten
Natürlich gibt es einige Dinge, die im Vergleich zum Printbuch beachtet werden müssen. Selbst bei Kinderbuch-Apps findet man Links zu Facebook und Twitter oder auch Werbung für weitere Angebote der Anbieter. Ein weiteres Problem sind In-App-Käufe: Die App an sich ist zwar kostenlos, aber einige Funktionen lassen sich nur gegen Bezahlung freischalten. Ich würde einfach empfehlen, dass Eltern die App, bevor sie sie weitergeben und auch bevor sie sie gemeinsam mit ihren Kindern anschauen, erstmal genau auf Herz und Nieren prüfen.
Oft gibt es die Möglichkeit, bestimmte Dinge zu unterbinden, wie die Verbindung zum Internet und die In-App-Käufe. Gut ist es auch, jeden Vorgang mit einem eigenen Passwort zu versehen. So kann man die App kindersicher machen - auch wenn sie solche Stolpersteine aufweisen sollte.
Gemeinsam nutzen statt allein lassen
Die interaktiven Geschichten-Apps haben ja unterschiedlich viele multimediale Elemente. Da ist es relativ wichtig zu schauen, ob diese sinnvoll in die Geschichte integriert sind. Es gibt bei vielen Apps auch Elemente, die mit der Geschichte an sich nichts zu tun haben - und diese lenken enorm von der Geschichte ab. Deswegen ist es gut, wenn Kinder mit ihren Eltern zusammen die App entdecken und gemeinsam eine Art Lesedramaturgie entwickeln.
Eltern können zum Beispiel bestimmte Elemente ausschalten oder nur gewisse Dinge mit ihren Kindern antippen. Wenn zu viel auf einer Seite passiert, dann kann das die Kinder auch einfach überfordern.
Wie Eltern die Lesekompetenz fördern
Ich würde vorschlagen, einfach vorzulesen - von Anfang an. Das Lesen sollte zu einem ganz festen und ritualisierten Bestandteil des Familienalltags werden. Wichtig beim Vorlesen ist, dass man geduldig ist, Zwischenfragen und Ausschweifungen zulässt, gemeinsam über das Gelesene redet und auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht. Wenn die Kinder dann in die Schule kommen, sollte man sich auf keinen Fall denken: „Ach jetzt können die ja selbst lesen“.
Da ist es ganz wichtig, dass man weiter vorliest. Lesen lernen ist super anstrengend. Wenn die Kinder das Buch dann mit einer anstrengenden Tätigkeit, Notendruck und Aufgaben verbinden, sollte zu Hause immer wieder gemütlich vorgelesen werden. Denn so werden der Spaß am Buch und die Lust am Lesen erhalten.
Digital oder gedruckt: Was passt wann
Es kommt immer auf das Kind, die Situation und auf die App an sich an. In Reise- oder Wartesituationen ist digitales Lesen beispielsweise sehr beliebt, weil man viele Bücher auf einem Gerät speichern kann. Zum Vorlesen vor dem Schlafengehen hingegen greifen die meisten zum guten, alten Printbuch zurück. Interaktive Kinderbuch-Apps mit Spielelementen eignen sich zum Schlafengehen natürlich nicht so gut.
Es gibt aber auch hervorragende Gute Nacht-Apps, bei denen man zum Beispiel am Ende überall das Licht ausmacht - und dann kann man auch bei sich selbst das Licht ausmachen.
medienbewusst.de bedankt sich bei Frau Dr. Fahrer für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.
Kinderbuch-App auswählen: Checkliste
Kinderbuch-App auswählen
Fünf Punkte aus dem Interview, bevor eine App ins Kinderzimmer kommt:
- Vor der Weitergabe selbst ausprobierenSo sehen Sie, ob Links zu sozialen Netzwerken oder Werbung eingebaut sind.
- In-App-Käufe und Internetverbindung abschalten, wenn möglichDiese Option bieten laut Dr. Fahrer viele Apps in den Einstellungen.
- Eigenes Passwort für Käufe vergebenSchützt davor, dass das Kind versehentlich etwas kauft.
- Die ersten Male gemeinsam anschauenSo entdecken Sie zusammen, welche Elemente zur Geschichte passen und welche nur ablenken.
- Zum Einschlafen eher zum gedruckten Buch greifenInteraktive Apps mit Spielelementen passen laut Fahrer nicht so gut zum Schlafengehen.
Was ist eine Kinderbuch-App?
Eine digitale Version eines Kinderbuchs, meist mit Animation, Ton und Stellen zum Antippen - bei guten Apps unterstützen diese Elemente die Geschichte, statt von ihr abzulenken.
Sind Kinderbuch-Apps für kleine Kinder zu empfehlen?
Laut Dr. Fahrer von der Stiftung Lesen ja, wenn Eltern die App vorher prüfen, riskante Funktionen wie In-App-Käufe abschalten und sie anfangs gemeinsam mit dem Kind nutzen.
Wer nach der App auch wissen will, welche Apps generell zum Alter des Kindes passen, findet das unter Gute Apps nach Alter. Als Ergänzung zum Lesen eignen sich auch Podcasts und Hörspiele für Kinder, und wer lieber im Netz statt in der App surft, findet unter Kinderseiten, die taugen eine Auswahl.
Zuletzt geprüft am 07.10.2026
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 07.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Wiedervorlage
- 06.10.2028
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