Wenn Ernie und Bert Werbung für Lena machen


Am 14. Mai ist es soweit: Der Eurovision Song Contest (ESC) kehrt nach 28-jähriger Abstinenz wieder auf deutschen Boden zurück. Lena Meyer-Landrut machte es möglich und will in diesem Jahr sogar versuchen, ihren Titel zu verteidigen. Im Zuge ihrer PR-Tour hatte sie nun einen Auftritt in der allseits beliebten „Sesamstraße“. Doch wie kritisch ist ein solcher Auftritt so kurz vor dem Musikwettbewerb im Kinderfernsehen zu beurteilen? Der europäische Vergleich zeigt: auch Lenas Mitstreiter rühren kräftig die Werbetrommel.

Nachdem Lena Meyer-Landrut im letzten Jahr in Oslo den weltweit größten Musikwettbewerb seiner Art scheinbar mühelos gewann, schien das ganze Land kollektiv im „Lenafieber“ zu sein und so verkündete man kurz nach dem Sieg: „Lena verteidigt ihren Titel!“. In der Folgezeit regnete es vor allem Lob, Preise und Auszeichnungen für die Gewinnerin. Dann wurde es einige Monate still um die 19-Jährige. Bis sie Anfang des Jahres mit der Show „Unser Song für Deutschland“ zurückkehrte, in der dem Zuschauer gleich mehrere mögliche Nachfolger ihres Siegertitels „Satellite“ zur Wahl gestellt wurden. Mit mäßigem Quotenerfolg. Dennoch, nach drei Shows, in denen abgestimmt werden konnte, stand fest: der nächste deutsche Beitrag trägt den Titel „Taken by A Stranger“.

Seitdem befindet sich Lena auf einem PR-Feldzug durch die deutsche TV-Landschaft. In zahlreichen ProSieben-Shows warb sie mit ihren Auftritten um das Publikum, trat immer wieder vor allem in Shows mit und von Stefan Raab auf, ihrem Entdecker und Mentor. Anfang April besuchte sie dann die NDR-Kindersendung „Sesamstraße“. Nach kurzem Plausch mit der kichernden Kultfigur Ernie, gab sie dort ihren Song „Satellite“ zum Besten. Allerdings in leicht abgeänderter Form unter dem Titel „Bert, Oh Bert“:

Soweit so gut, möchte man meinen. Eine liebenswürdige Lena, ein knuffiger Song in noch knuffigerer Kulisse. Doch erscheint alles etwas zu sehr durchgeplant und zu nah am Wettbewerb, als dass beim einen oder anderen nicht doch das Gefühl entsteht, die Kindersendung werde hier still und heimlich PR-taktisch ausgenutzt, um auch noch den letzten Zweifler von Lenas Person zu überzeugen. Das scheint der Wettbewerberin Lena, die um den Titel der „Siegerin des ESC 2011“ kämpft, auf den ersten Blick nicht viel zu nutzen (Deutschland kann ja nicht für seinen eigenen Kandidaten votieren), aber schließlich gibt es eine Welt außerhalb des ESC und dort wird aus der knuffigen Lena einfach das, was alle anderen Personen, die dem Musikbusiness angehören, auch sind: Unternehmer, die ihr Produkt bzw. ihre Person vermarkten möchten.

Doch auch andere Teilnehmer des Wettbewerbs haben das Kinderfernsehen für sich entdeckt. So haben die Mitglieder der britischen Boygroup Blue in Kürze einen Auftritt als Zeichentrickfiguren in der beliebten Serie Boo & Me 2 des britischen Kindersenders KidsCo. Im Mittelpunkt der Serie steht der verwaiste Orang-Utan Boo, der im Sepilok Auswilderungszentrum für Orang-Utans in Sabah, Malaysia lebt und mit seinen Freunden im Regenwald Abenteuer erlebt, die den kleinen Zuschauern deutlich machen sollen, wie wichtig Umweltschutz ist. Im Rahmen der Sendung bekommt die Band hier sogar die Möglichkeit ihren aktuellen ESC-Beitrag vorzustellen und damit dafür zu werben.

In beiden Fällen wird natürlich beteuert, es gehe bloß um die Kinder und deren Erziehung. So erzählte Lena im Rahmen der NDR-Talkshow von ihrem Dreh und betonte, wie stark ihr Kinder am Herzen lägen. Und sicherlicherlich werden viele Kinder auch einfach ihren Spaß an den musikalischen Auftritten ihrer Vorbilder haben. Dem möchte man selbstverständlich nicht widersprechen. Doch fragt man sich schon: hätten es jeweils zwei Auftritte ohne „Verkaufsangebot“, in Form der präsentierten Musik, nicht auch getan? Wenn es um die gute Sache, die Umwelterziehung der Kinder geht, hätten dann nicht auch allein die Stars als Figuren und damit als Teil der Handlung ausgereicht? Es hätte sicherlich trotzdem ein Gewinn für beide Seiten bedeutet – und zwar ohne faden Beigeschmack.

Fabian Zeitler

Bildquellen:
© NDR / Uwe Ernst