Wetten, dass das zu viel ist – Ein Kommentar


Wie weit Fernsehen gehen kann, habe ich soeben gesehen. Müsste ich ihnen das, was sie hier lesen liebe Eltern, Lehrer, Medienpädagogen – User, mündlich darbieten, wären sie über meine Sprachlosigkeit besorgt, denn Wortgewandtheit wie Thomas Gottschalk sie inne hat, obliegt mir in diesen Minuten nicht.

Nicht nur Deutschlands Showmaster Nummer eins und mehrere Millionen vor den TV-Bildschirmen sind heute Zeuge der Unglaublichkeit des Mediums Fernsehen geworden. Auch alle Kinder und Jugendlichen, die, ob alleine vor dem Fernseher oder mit Familie, sich auf eine neue Runde kunterbunte Unterhaltung mit „Wetten, dass…?“ gefreut haben, sahen einen jungen Mann, der genauso alt ist wie ich, der kam, sprang und verunglückte.

Darf das Fernsehen sein? Nein. Es obliegt der Verantwortung der sicherlich sehr berufserfahrenen Fernsehmacher Europas größter Unterhaltungssendung, „Nein“ sagen zu können und auf solch einen Einschaltquotenwettkampf, wie er dem deutschen Publikum heute dargeboten wurde, zu verzichten.

Nur um das „von banal bis anal“-Programm (so ARD-Programmchef Herres), des Privatsenders RTL mit seinem rekordebrechendem Samstagsabend-Knüller „Das Supertalent“ in die Schranken weisen zu können, riskierte „Wetten, dass…?“ ein Menschenleben und verlor dabei sein Gesicht und seine Glaubwürdigkeit.

Im Sinne von medienbewusst.de, aller fernsehschauenden Kinder und Jugendlichen und vor allem aber im Sinne der Moral sollte auf solch einschaltstarke Tragik, die zum bitteren Ernst wurde, verzichtet werden.

Marieke Reimann

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