Bitte die Handyquette wahren…


„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht!“, erinnern verantwortungsbewusste Fahrlehrer fortwährend. Finden mit dieser Phrase bei der vermeintlich formbaren, mobilfunkaffinen Fahranfängerfraktion jedoch nicht immer Gehör…

„Die Hupe ist ein Warnsignal, keinesfalls ein Begrüßungszeichen – und schon gar kein Musikinstrument“, manch ein Fahrlehrer mag, angesichts des lärmenden Wahnsinns auf deutschen Straßen, in einer stillen Minute mit dem Gedanken spielen, den Beruf zu wechseln. An dieser Stelle sei ihm eindringlich davon abgeraten, zum – bis dato nicht existenten – Mobilfunklehrer umzuschulen. Als solcher müsste er sich mit einer noch viel gravierenderen Bedrohung für Ohren und Nerven auseinandersetzen: dem Handylärm. Da Mobiltelefone jedoch höchst selten ohne äußere Einwirkung Töne und Melodien hervorbringen, rückt der mitunter redselige Handyhalter in den Fokus. Gewöhnlich liebt dieser sein Mobiltelefon heiß und innig, weshalb er ab und an die Welt um sich herum schlicht vergisst. Ist jeder Handynutzer sich selbst der Nächste, entstehen häufig Situationen, die äußerst unangenehm sein können.

Doch woher sollen gerade Jugendliche wissen, was sich im Umgang mit dem Handy gehört – und was nicht? „Handyquette“ heißt das Zauberwort, eine weitere Abwandlung der handelsüblichen Etiquette. Längst regelt die „Golfetiquette“ das Treiben auf dem Grün und die „Netiquette“ den Umgang zwischen Internetnutzern. Es sind ungeschriebene Gesetze, ergo führt eine Nichtbefolgung niemals unmittelbar hinter schwedische Gardinen. Schlimmer als ein Gefängnisaufenthalt könnte die Ächtung der Mitmenschen sein. Menschen, die es leid sind, Tag für Tag unterschiedliche Ausprägungen moderner, mobiltelefongestützter Rücksichtslosigkeit ertragen zu müssen.

Kann hier die Handyquette für Entlastung sorgen? Das Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) bietet ein übersichtliches Regelwerk mit dessen Hilfe Handynutzer die Lärmbelästigung und Nervenbelastung für ihre Mitmenschen gering halten können.

So sollte sich zunächst jeder die Frage stellen, ob ständige Erreichbarkeit allen Ernstes erstrebenswert ist.
Ausgeschaltet verhält sich jedes Mobiltelefon ausgesprochen ruhig. Diese Ruhe wissen unsere Mitmenschen, sei es in einem Konzertsaal, im Bahnwagon oder im Restaurant, durchaus zu schätzen. Auch an Orten, die durch ein Schild als „Handyfreie Zonen“ gekennzeichnet sind, etwa Krankenhäuser, müssen Mobiltelefone ausgeschaltet bleiben. Ruhe ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Ist ein Telefonat in der Öffentlichkeit unvermeidlich, kann der Gesprächsteilnehmer seine Rücksichtnahme demonstrieren, indem er dieses Gespräch etwas abseits und mit leiser Stimme führt. Generell kann jeder mit wenigen Handgriffen sein lärmendes Handy sozialverträglich einstellen: Tastentöne? Deaktivieren. Klingelton? Ja, aber eine dezente Variante auf niedriger Lautstärke. Besser: Auf stumm schalten! Darüber hinaus sollte es selbstverständlich sein, die Handyquette auch innerhalb der Familie zu wahren – am Esstisch oder bei sonstigen Zusammenkünften im Kreis der Lieben ist das Handy fehl am Platz.

Doch was nützt die bestgemeinteste Handyquette, wenn sich niemand daran hält? Da mit fortschreitendem Alter die Beratungsresistenz zuzunehmen scheint, ruht die Hoffnung Ruheliebender auf den Kindern und Jugendlichen. Es liegt an uns, sie zu ermutigen, rücksichtsvolle Menschen zu werden. Denn wer beim Umgang mit dem Handy Rücksicht walten lässt, wird diese Verhaltensweise wahrscheinlich auch auf andere Lebensbereiche übertragen – zum Beispiel den Straßenverkehr.

Yves Naber

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