Action in Indianer Jones-Manier


Wieder einmal sind Sommerferien. Die drei Freunde Biggi, Luk und Patrick beginnen sich bereits zu langweilen. Nichts lässt vermuten, dass sich die drei Hobby-Detektive bald in einem spannenden Wettlauf nach China begeben, um – wie so oft – die Herrschaft des Bösen zu verhindern.

Die Krimiserie „Das Tiger-Team“ vom österreichischen Kinderbuchautor Thomas Brezina genießt  schon seit langem große Popularität bis weit über die Grenzen Europas. Mehr als 20 Millionen mal wurden die mittlerweile 44 Fälle der drei Tiger verkauft. Dabei werden die Leser stets um aktive Mitarbeit zur Lösung der Fälle gebeten, müssen selbst detektivisches Feingefühl an den Tag legen, um das Böse zu besiegen. Dass so auch die Filmindustrie auf Brezinas Werke aufmerksam geworden ist, ist daher wohl kaum weiter verwunderlich.

Der sportliche Lukas (Justus Kammerer), die ausdauernde Biggi (Helena Siegmund-Schultze) und der intelligente Patrick (Bruno Schubert) – sind die Hauptcharaktere im Spielfilm, der seit dem sechsten Mai in den Kinos läuft. Als die drei bei ihrem Stammchinesen zufällig einen mysteriösen Schlüssel finden, ist ihnen klar, dass hier mehr dahinter stecken muss. Über das Internet finden sie heraus, dass dies einer von drei Schlüsseln ist, der Zugang zum sagenumwobenen Mondscheintempel in China gewährt – und damit zu einem Elixier, welches Unsterblichkeit verspricht.

Anhand eines raffinierten Plans gelangen die Drei kurzerhand nach China und machen sich auf die Suche. Doch auch Lady Q, gespielt von Iris Berben, befindet sich schon seit langem auf der Jagd nach dem wertvollen Elixier. Als Chefin des weltgrößten Kosmetikkonzerns kann sie so ihre Macht ausbauen und ihre bösen Pläne verwirklichen. Ihr nichtsnutziger Sohn Munroe (Stipe Erceg) steht ihr dabei auf seine Art zur Seite. So entsteht ein Wettlauf zwischen Gut und Böse, bei dem die drei Tiger alles geben müssen, um die Welt vor der Schreckensherrschaft der Lady Q zu bewahren.

Regisseur Peter Gersina – ebenfalls Österreicher – erzählt in seiner Kinderfilmpremiere ein actionreiches Abenteuer in Indiana Jones- Manier. Mit vielen, aufwändig gestalteten Originalmotiven und einem Verzicht auf großartige visuelle Effekte, wird das Phantastische in Brezinas Werken gelungen dargestellt, ohne dabei unrealistisch zu wirken. Auch die drei jugendlichen Schauspieler repräsentieren die literarischen Vorbilder zwar auf eine eigene, aber doch überzeugende Art.

Eine große Schwierigkeit in der Umsetzung Buch zu Film dürfte für Gersina das Wegfallen des interaktiven Charakters der Krimiserie gewesen sein. Und so scheint es, dass durch allzu rasante Schnitte, Wendepunkte und Slapstickeinlagen das Zwischenmenschliche gelegentlich außer Acht gelassen wird. Die Charaktere sind recht einfach, oftmals überzogen dargestellt. Auch die so vielfältige  Kultur aus Fernost  wird eher klischeehaft abgebildet und vermittelt dadurch ein sehr einseitiges Bild der Chinesen.

Somit sollten aus dem Blickwinkel Bildung nicht zu hohe Erwartungen an den „Berg der 1000 Drachen“ gestellt werden. Wer jedoch einen kurzweiligen, kindgerechten Kinoabend verbringen will, sei es mit Freunden oder Familie, der kann mit der Leinwandpremiere der drei Detektive nicht viel falsch machen. Und besonders wer die lyrischen Abenteuer des Tiger-Teams liebt, wird auf seine cineastischen Kosten kommen.

Stefan Merz

Bildquelle:
© Constantin Film Verleih GmbH