Die freiwillige Selbstkontrolle im Internet


Für Spiele ist die USK zuständig, für Filme die FSK. Doch wie reguliert das Internet sich selbst? Die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) setzt sich seit 14 Jahren für die Einhaltung und Stärkung des Jugendschutzes in Onlinemedien ein. Ziel des Vereins ist die Bekämpfung illegaler und jugendgefährdender Inhalte im Internet, Mobilfunk und Teletext. medienbewusst.de sprach mit Katja Lange über die Arbeit der FSM.

Die FSM agiert auf Basis des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) innerhalb einer “regulierten Selbstregulierung”. Was bedeutet das?

Dieses System sieht vor, dass Staat und Industrie bei der Überprüfung der Einhaltung bestehender gesetzlicher Regelungen sowie einer Weiterentwicklung des Jugendmedienschutzniveaus zusammenwirken. Es ermöglicht anerkannten Selbstkontrollorganisationen in einem gesetzlich festgelegten Rahmen eigenständig bei jugendschutzrelevanten Inhalten zu agieren und eine Kontrollfunktion gegenüber den Mitgliedern auszuüben. Dementsprechend bietet die FSM Unternehmen die Möglichkeit, sich diesem System anzuschließen und somit die im JMStV vorgesehene Privilegierung für Mitglieder einer anerkannten Selbstkontrolle wahrzunehmen.

Was bietet die FSM den Mitgliedsunternehmen als Gegenleistung?

Die Vorteile reichen von Beratung in Fragen des Jugendmedienschutzes bis hin zu einer gesetzlich festgeschriebenen Schutzfunktion vor Abmahnungen der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Die FSM bietet die aktive Unterstützung bei der Sicherung der Jugendschutzstandards innerhalb der Unternehmen, beispielsweise durch die Stellung des Jugendschutzbeauftragten. Unternehmen können zudem rechtliche, medienwissenschaftliche oder technische Fragen von renommierten Fachleuten aus Forschung und Praxis klären lassen.

Darüber hinaus bietet die FSM seit August 2011 ein Onlinetool zur Altersbewertung von Inhalten an. Unter www.altersklassifizierung.de können Anbieter alle Arten von Onlineinhalten durch die Beantwortung von inhaltsspezifischen Fragen einer Altersstufe zuordnen. Diese Altersstufe kann durch Jugendschutzprogramme ausgelesen werden und sichert damit einen altersgerechten Zugang zu Informationen.

Die Mitglieder der FSM unterzeichnen zu Beginn eine Selbstverpflichtungserklärung, sich an einen Verhaltenskodex zu halten. Was passiert bei einem Verstoß?

Je nach Schwere des Verstoßes reichen die Sanktionsmöglichkeiten der FSM von der Abhilfeaufforderung (Anm. d. Red.: Eine Art Beanstandung ), über eine Rüge, bis hin zu einer Vertragsstrafe oder einem Ausschluss aus dem Verein.

Katja Lange

Der Youth Protection Roundtable, an dem Sie mitgewirkt haben, hat einige Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Jugendmedienschutzes im Netz entwickelt. Welche Beispiele können Sie uns dafür nennen?

Die Arbeit des Youth Protection Roundtable hat klar gezeigt, dass ein ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung des Jugendschutzes im Internet erforderlich ist. Auf der Ebene der Technik hat man erkannt, dass Filtersoftware leistungsfähiger und besser nutzbar sein muss und Klassifizierungssysteme bereit stehen müssen, mit denen Anbieter ihre Inhalte bewerten und entsprechend der Altersstufe kennzeichnen können. Hinsichtlich beider Punkte konnten in der jüngeren Vergangenheit erhebliche Fortschritte erzielt werden.

Die FSM hat mit anderen ausländischen Organisationen 1999 den Dachverband INHOPE gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt haben, ein internationales Netz an Beschwerdestellen im Internet (Hotlines) zu schaffen. Inwieweit ist die INHOPE mit ihrem gesetzten Ziel erfolgreich?

Aus einem zunächst rein europäischen Netzwerk ist mittlerweile ein weltweit umspannendes geworden mit 44 Mitgliedern in Australien, USA, Korea, etc. Die Hotlines aus denjenigen Ländern, über die die meisten kinderpornografischen Inhalte verbreitet werden (zumindest nach unserem Kenntnisstand) sind alle bei INHOPE vertreten. Daher ist INHOPE mit seinem Ziel erfolgreich, ein internationales Netz an Beschwerdestellen bereits geschaffen zu haben. INHOPE ist darüber hinaus bestrebt, das Netz kontinuierlich auszubauen. Zu diesem Zweck ist kürzlich eine Stiftung ins Leben gerufen worden, um insbesondere den Aufbau von weiteren Hotlines in denjenigen Ländern finanziell zu fördern, in denen noch keine Hotlines existieren.

Medienbewusst.de bedankt sich recht herzlich bei Katja Lange für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit.

Kirsten Dietz

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