Ein Clown auf Odyssee


Die Hamburger Spieleschmiede Daedalic kann sich glücklich schätzen, denn bei der Vergabe des deutschen Computerspielpreises 2010 konnte das von ihnen entwickelte Adventure „The Whispered World“ die Auszeichnung für das beste Jugendspiel einheimsen.

Während viele Abenteuergeschichten von einfachen Bauernsöhnen handeln, die ausziehen ein Königreich zu retten, läuft es beim jungen Clown Sadwick anders: Er wird die Welt zerstören. Zumindest lautet so die Botschaft seiner Albträume. Wie sein Name schon andeutet, ist Sadwick zwar keine Frohnatur, als Weltzerstörer will er allerdings auch nicht gelten. Da ihm das Zirkusleben mit seinem rechthaberischen Bruder Ben und dem senilen Großvater zu eintönig ist, siegt die Neugier und er macht sich zusammen mit der treuen Hausraupe Spot auf, das Geheimnis seiner Träume zu lüften.

Gesteuert werden die beiden genretypisch per Mausklicks. Neben den drei Interaktionssymbolen Auge, Hand und Mund, gibt es noch die verschiedenen Formen, in die sich Spot verwandeln kann. Als Kugel etwa kann er eine Wippe beschweren oder als Feuerball ein Hindernis abfackeln.

Sadwicks Reise führt ihn durch viele wunderschöne handgemalte Landschaften wie einer Insel mit stillgelegter Perlenfabrik oder den unterirdischen Katakomben des feindseligen Asgil-Volkes. Dabei kann es schon mal passieren, in den Unmengen von Details einen wichtigen Gegenstand zu übersehen. Per Knopfdruck lassen sich jedoch alle Stellen mit Interaktionsmöglichkeiten einblenden.

Ein Höhepunkt des Spiels sind sicherlich seine Dialoge. In unzähligen gesprochenen Textzeilen geben die Charaktere ihren Gemütszustand und ihre Eigenarten wieder. Insbesondere Sadwicks Gratwanderung zwischen Melancholie und trockenem Humor sorgt dabei immer wieder für Lacher. Ein besonderer Reiz von Adventure-Games sind natürlich die Rätsel. Diese fallen bei The Whispered World allerdings teilweise ziemlich knifflig aus und man ist nicht selten versucht, einfach alle Gegenstände miteinander zu kombinieren, bis das richtige Ergebnis rauskommt. Hier wäre etwas mehr Hilfestellungen wünschenswert gewesen.

Insgesamt punktet das Spiel vor allem mit seiner malerischen Aufmachung, den unverbrauchten Charakteren sowie einer interessanten Story. Wer genügend Geduld mitbringt, um die verzwickten Rätsel zu lösen, darf ein abwechslungsreiches Adventure voller witziger Dialoge erwarten.

Daniel Toth

Bildquelle:
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