FSK kämpft gegen „sexuelle Desorientierung“


„Der Film spiegelt eine verzerrte Realität wieder.“ So lautete das diskriminierende Urteil der FSK für die Teeniekomödie „Romeos“. Die Altersfreigabe von 16 Jahren löste nicht nur in der Schwulen- und Lesbenszene eine Welle der Empörung aus.

„Romeos“ ist die Geschichte von Lukas (Rick Okon), der als Mädchen zur Welt kam und nun mit 20 Jahren dank Testosteron endlich ausleben kann, wer er eigentlich ist. In seiner neuen Heimat Köln verliebt er sich in Fabio (Maximilian Befort), aber die gegenseitige Anziehung der jungen Männer wird auf eine harte Probe gestellt als Fabio das Geheimnis von Lukas herausfindet. Als „Gender-Blockbuster“ beschreibt der Berliner Tagesspiegel den Film, doch die Freiwillige Selbstkontrolle Filmwirtschaft (FSK) sieht das ein wenig anders.

„Die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen“, heißt es in der ersten Beurteilung der Freiwilligen Selbstkontrolle des Kinofilms Romeos… anders als du denkst, der am achten Dezember anlief.

Im Urteil heißt es weiter: „Die explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen und deren häufige Partnerwechsel können verwirrend auf junge Zuschauer wirken“.

„Das ist so klar homophob, dagegen muss man vorgehen“, empört sich die Regisseurin Sabine Bernardi im Gespräch mit queer.de und steht mit dieser Meinung nicht allein da. Unterstützung erhielt die Filmemacherin vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD). Und auch Volker Beck, Bundestagsabgeordneter der Grünen, griff das Urteil der FSK scharf an: „Es ist nicht Aufgabe der FSK, die Auseinandersetzung von Jugendlichen mit Homo- und Transsexualität zu unterbinden“.

Die FSK hat sich für „diskriminierende Formulierungen“ in der Begründung ihrer Altersfreigabe entschuldigt und den Film erneut geprüft. In einer Stellungnahme teilte die Behörde die neue sensiblere Begründung der Altersfreigabe mit und schrieb weiter, dass die von der Regisseurin verbreitete Begründung nicht für die Öffentlichkeit gedacht gewesen wäre. Die Altersfreigabe von 16 Jahren bleibt bestehen, obwohl der Verleih Pro-Fun Media von Anfang an eine Freigabe ab 12 Jahren beantragte. Diese Strenge der FSK ist jedoch keinesfalls charakteristisch. Filme wie „American Pie“ wurden ab 12 Jahren freigegeben. „KeinOhrHasen“ sollte, trotz harten Kraftausdrücken und Nacktszenen, sogar ab sechs Jahren freigegeben werden. Unter Protesten der Öffentlichkeit wurde er jedoch auch auf 12 Jahre hochgestuft.

Die Altersfreigabe ab 12 Jahre besagt, dass „Filme, die zur Identifikation mit einem „Helden“ einladen, dessen Rollenmuster durch antisoziales, destruktives oder gewalttätiges  Verhalten geprägt ist“ ein Gefährdungspotenzial bergen. Wichtig für die Meinungsbildung dieser Altersgruppe seien „Filme, die gesellschaftliche Themen seriös problematisieren“. Die Frage, ob das Gremium die Figur des homosexuellen Helden Lukas als antisozial oder destruktiv hält, bleibt offen.

Gina Hoffmann

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