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Kinder können durch Filme ihre Sozialkompetenz ausbauen

Ein Vater und sein Sohn sitzen zusammen auf dem Sofa vor dem Fernseher und sprechen über das Gesehene.
Das Gespräch danach bringt oft mehr als das Fernsehen selbst.

Filme und Serien prägen mit, wie Kinder soziale Kompetenz entwickeln. Zwei Studien zeigen, wie unterschiedlich sie Geschichten verstehen - und was Eltern beim gemeinsamen Fernsehen beachten können.

Filme und Serien formen mit, wie Kinder auf andere reagieren: Zwei Studien, die der Text unten zusammenfasst, zeigen, dass schon Vorschulkinder Geschichten anders verstehen als Erwachsene - und dass auch vermeintlich albernes Fernsehen wie Spongebob Schwammkopf Kindern hilft, sozial dazuzulernen. Was das für Eltern bedeutet, die mit ihren Kindern fernsehen, steht im Abschnitt „Was Eltern tun können“.

Wie Kinder Geschichten verstehen

Noch einmal die Welt mit Kinderaugen sehen. Was zunächst wie eine weitere Floskel daherkommt, ist in Wahrheit Ausdruck eines innigen Wunsches vieler Erwachsener. Doch was unterscheidet die Wahrnehmung von Kindern hinsichtlich der von Erwachsenen? Mag diese Frage auch nicht erschöpfend zu beantworten sein, hat sich medienbewusst.de jedoch mit den neuesten Studien auseinandergesetzt, die sich mit dem Medienkonsum von Kindern befassen, um zumindest diesbezüglich Antworten zu liefern:

Um zu verstehen, wie Kinder Inhalte aus Fernsehen und Kino wahrnehmen, müssen sich Erwachsene zunächst bewusst werden, auf was all diese beruhen. Denn jeder guten Serie, jedem packenden Film liegt eine Geschichte zu Grunde, deren grundlegende Charakteristika es zunächst zu klären gilt. Kurzum: Was ist eine Geschichte?

Eine Geschichte, laut Duden eine mündliche oder schriftliche Schilderung mit logischem Handlungsablauf, dient nicht nur der Überbrückung unangenehmer Stille am Essenstisch. Denn neben der Absicht zu unterhalten, gehen mit Geschichten im Kontext von Film und Fernsehen weitere Funktionen einher. So besitzen sie durch das Ansprechen verschiedenster Emotionen und das Aufzeigen von Konfliktlösungen und Kriterien richtigen und falschen Handelns die Fähigkeit, Rezipienten hinsichtlich ihrer inneren Haltung und Überzeugung nachhaltig zu beeinflussen.

Neben dieser, nennen wir es propagandistischen Eigenschaft, erfüllen Geschichten auch pädagogische und soziale Funktionen, indem sie von Werten und Tugenden handeln. Durch diese wesentliche Darstellung von Wert- und Tugendkonflikten können laut Dr. Hans Jürgen Wulff, Professor für Medienwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, vor allem Kinder abstraktere Vorstellungen des Moralischen ausbilden, die schließlich in ihre Alltagskompetenzen einfließen.

Was Vorschulkinder aus einer Geschichte verstehen

Allerdings besitzen in Film und Fernsehen eingebettete Geschichten zusätzliche Eigenschaften. So bieten sie ergänzt um auditive Reize, Bewegtbilder und andere filmische Gestaltungsmitteln, neben vielen Möglichkeiten auch einige Aspekte, die es gilt, hinsichtlich der kindlichen Wahrnehmung, zu berücksichtigen. Eine IZI-Studie der Forschungsgruppe um Dr. phil. Maya Götz befasste sich diesbezüglich mit dem Verständnis von Vorschulkindern zwischen drei und sechs Jahren.

Während vorangegangene Studien bewiesen, dass Vorschulkinder Verständnisprobleme bei Filmen und Serien mit zu vielen Handlungssträngen und einer nicht gradlinigen Erzählung (u.a. Rückblenden) aufweisen, konzentriert sich diese Studie auf Unterschiede der kindlichen Rezeption in Bezug zu ihrem sozioökonomischen Status. Hierfür wurden 300 Kindern aus verschiedenen Ländern, unter anderem Kuba, Ägypten, Deutschland und Brasilien, einzeln interviewt, nachdem sie zwei kurze Sendungen geschaut hatten.

Obwohl diese für Kinder nach einfach zu verstehenden Gesichtspunkten gestaltet wurden, zeigten die Kinder dennoch signifikante Unterschiede im Verstehen. Die Studie zeigte, dass über diverse Länder hinweg die sozioökonomischen Bedingungen und damit verbundene Erfahrungen einen Faktor darstellen, der ebenfalls das Verständnis von Kindern beeinflussen kann.

Dies rührt daher, dass Kinder entwicklungspsychologisch bedingt eher induktiv und vom Konkreten her kommend verstehen, während ältere Kinder und Erwachsene deduktiv von ihren bisherigen übergreifenden Deutungsmustern aus eine Geschichte interpretieren. Fehlt Kindern die konkrete Referenzerfahrung, verstehen sie eine Szene nicht immer in dem für Erwachsene eindeutig gemeinten Sinn. Einordnen können Kinder die einzelnen Zeichen dann, wenn die dargestellten Szenen ihre Lebenserfahrung treffen.

Was Spongebob Schwammkopf Kindern vermittelt

Eltern ist daher beim gemeinsamen Fernsehen mit den Kindern zu empfehlen, den Inhalt, möge er für einen selbst noch so eindeutig sein, mit den Erfahrungen des Kindes zu vergleichen und gegebenenfalls mit ihm darüber zu sprechen.

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen Kinder bei weitem mehr verstehen und lernen, als ihre Eltern annehmen. „Was guckst du da schon wieder für einen Unsinn?!?“ Oft verurteilen Eltern die Lieblingssendungen ihrer Kinder aus subjektiver Sicht als sinnfrei und pädagogisch zweifelhaft. Doch was Kinder wirklich beim Rezipieren von Kindersendungen lernen und sich einprägen, untersuchte nun Medienpädagogin Andrea Holler im Umfang ihrer Studie.

Was früher Mickey Mouse war, ist heute Spongebob Schwammkopf. Der gelbe Schwamm, dessen gleichnamige Sendung in 26 Sprachen ausgestrahlt wird und auf Nickelodeon seit zehn Jahren in Folge die Nummer eins der animierten Serien für Kinder zwischen zwei und elf Jahren ist, diente in dieser Studie als Referenz. Nachdem knapp 1500 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren aus verschiedenen Ländern, u.a. aus Deutschland, den USA und Argentinien, eine Folge der Serie gesehen hatten, wurden sie gebeten, über gewonnen Eindrücke zu schreiben und zu malen.

Was die Untersuchung noch zeigt

Im Gegensatz zu den Befürchtungen vieler Eltern, ihre Kinder würden sich anhand einer solcher Sendung lediglich einprägen, dass Seesterne Hosen tragen, Schnecken miauen und Würmer bellen, gaben die jungen Rezipienten gänzlich andere Dinge an. So stellte die Studie heraus, dass Spongebob Schwammkopf Alltagsthemen aufnimmt, die Kindern, vor allem Jungen perspektivisch beschäftigen. Andere gewinnen für sich soziale Kompetenzen, wie den angemessenen Umgang mit ihren Mitmenschen.

Die Erkenntnisse lassen sich verallgemeinern und auch auf andere animierte Geschichten anwenden. Kinder nehmen sich nach eigener Wahrnehmung Verschiedenes aus den Geschichten mit. Zum Teil Inhalte, die dem offensichtlichen Geschichteninhalt entsprechen, zum Teil Inhalte, die eher den Bereichen des sozialen Lernens entstammen.

Nicht immer erschließt sich dabei dem erwachsenen Blick das 'Was und Weshalb'. Wichtig ist daher, dass Eltern nicht vorschnell urteilen und ihren Kindern aufgrund dessen Inhalte verbieten. Vielmehr sollte im Zweifel der Dialog mit dem Kind gesucht werden. Vielleicht lernt auf diese Weise der eine oder andere Erwachsene auch noch das ein oder andere von dem kleinen gelben Schwamm.

Was Eltern tun können

UntersuchungKernaussage
IZI-Untersuchung zu VorschulkindernJüngeren Kindern fehlt oft die eigene Lebenserfahrung, um eine Szene so zu verstehen wie Erwachsene.
Untersuchung zu Spongebob SchwammkopfAuch vermeintlich einfache Sendungen vermitteln Kindern soziale Kompetenzen wie den Umgang mit anderen.

Fernsehen mit Kindern: Worauf Sie achten können

Vier Punkte aus den Studien oben, die sich leicht umsetzen lassen:

  • Fragen Sie nach, was Ihr Kind verstanden hat.Gerade jüngere Kinder deuten eine Szene oft anders, als Erwachsene sie gemeint sehen - weil ihnen die eigene Erfahrung dazu fehlt.
  • Urteilen Sie nicht vorschnell über die Lieblingssendung Ihres Kindes.Was auf den ersten Blick albern wirkt, kann trotzdem soziale Kompetenzen vermitteln - so wie es die Untersuchung zu Spongebob Schwammkopf zeigt.
  • Vergleichen Sie Gesehenes mit der Lebenswelt Ihres Kindes.So lässt sich leichter einordnen, was das Kind aus einer Geschichte für sich mitnimmt.
  • Suchen Sie im Zweifel das Gespräch statt eines Verbots.Der Dialog über Inhalte bringt mehr als ein pauschales Verbot.

Häufige Fragen

Wie unterstützen Filme die Sozialkompetenz von Kindern?

Geschichten in Filmen und Serien zeigen Konfliktlösungen und Vorbilder für richtiges und falsches Handeln. Laut einer Untersuchung der Medienpädagogin Andrea Holler nehmen Kinder daraus auch soziale Kompetenzen mit, etwa den angemessenen Umgang mit anderen Menschen - selbst bei Sendungen, die Eltern zunächst für Unsinn halten.

Welchen Einfluss haben Geschichten in Filmen auf Kinder?

Laut dem Medienwissenschaftler Hans Jürgen Wulff können Kinder durch die Wert- und Tugendkonflikte in Geschichten abstraktere Vorstellungen von richtig und falsch ausbilden. Wie genau ein Kind eine Szene versteht, hängt dabei auch von seiner eigenen Lebenserfahrung ab.

Wie viel Medienzeit insgesamt sinnvoll ist und mit welchen Wegen sich Medien bewusst in den Alltag einbauen lassen, steht unter Medien sinnvoll nutzen. Was Medienkompetenz genau bedeutet und wie sie sich entwickelt, erklärt Medienkompetenz und Medienbewusstsein. Wer nach Alternativen zum Bildschirm sucht: Kinderseiten, die taugen sammelt geprüfte Angebote.

Zuletzt geprüft am 05.10.2026

Quellen

Redaktioneller Stand

Geprüft am
05.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Belege
2 Quellen, unten vollständig aufgeführt
Wiedervorlage
04.10.2028

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