„Kinder sind Partner und Musen in einem“ - Ein Interview mit Tobias Weyrauch von 3Berlin
Tobias Weyrauch vom Kindermusik-Trio 3Berlin erzählt im Interview, wie eigene Kinder zu Liedideen werden und warum beim Schreiben Humor und ernste Themen zusammengehören.
Tobias Weyrauch bildet zusammen mit Carsten Schmelzer und Diane Weigmann das Berliner Trio 3Berlin, das Lieder für Kinder schreibt. Im Interview von 2015 erzählt er, wie die drei Musiker sich fanden, was ihre eigenen Kinder zu den Texten beitragen und welches Stück ihm persönlich am meisten bedeutet.
Das Interview auf einen Blick
| Was | Angabe |
|---|---|
| Band | 3Berlin - Carsten Schmelzer, Diane Weigmann, Tobias Weyrauch |
| Art | Kindermusik aus Berlin |
| Album im Interview | „Von Farbenfeen und Stinkesocken“ |
| Interview erschienen | 2015 |
Über das Trio 3Berlin
Carsten Schmelzer (links), Diane Weigmann und Tobias Weyrauch (rechts) bilden zusammen das Trio 3Berlin. Wie der Name schon verrät, kommen die Musiker und Komponisten aus Berlin, wo sie wunderbare Musik schaffen. Im Interview mit Tobias Weyrauch sprachen wir über die Band und deren erstes Kinderliederalbum.
Auftragsarbeit und eigene Lieder
Nachdem ich zum ersten Mal von euch hörte, war ich platt. Nicht nur, dass ihr schon viel Verschiedenes produziert habt, auch die Genres wechseln sich ab. Wie kommt man auf so eine Idee? Wir sind ja ein Produktionsteam und machen auch Werbung und solche Sachen. Da ist es dann oft so, dass man eine Aufgabe zu erfüllen hat. Da wird einem dann genau gesagt, welches Gefühl das Lied vermitteln soll oder wie es klingen soll.
Wir versuchen dann, auf solche Vorgaben zu reagieren. Wenn wir unsere eigenen Sachen machen, haben wir solche Aufgabenstellungen nicht. Wobei wir uns auch gerne selber Aufgaben stellen.
Kinder als Inspirationsquelle
Bekommt ihr für eure Lieder auch manchmal Anreize durch eure eigenen Kinder? Auf jeden Fall. Wirklich jede Menge. Ich habe seit zwei Jahren ein Kind und das ist wirklich erstaunlich, wie viele Ideen einem dadurch kommen. In verschiedensten Situationen hilft man sich dann damit, dass man mal eben ein Lied erfindet. Und diese Ideen hält man oft fest. Kinder sind Partner und Musen in einem.
Auf dem Album „Von Farbenfeen und Stinkesocken“ singt auch die Tochter von Carsten Schmelzer einige Lieder mit. Sie hat eine ganz tolle Stimme. Wir mögen gerne so ein bisschen freche Stimmen. Kinderstimmen, die nicht so glatt sind.
Wie die Band zusammenfand und zusammenarbeitet
Wie habt ihr drei euch kennengelernt? Ich mache mit Diane jetzt seit über 10 Jahren Musik. Sie hat früher bei den "Lemonbabies" gespielt und später ein Soloprojekt gestartet. Und in diesem habe ich von Anfang an mitgespielt.
Irgendwann habe ich sie gefragt, ob sie nicht Lust hat, mit mir ein paar Kinderlieder zu machen. Sie erzählte mir, dass sie Carsten kennt, der sie das Gleiche gefragt hat. Die Beiden haben auch schon für das Fernsehen ein paar Sachen zusammen gemacht. Und dann hat Diane Carsten und mich, uns drei sozusagen, vor zirka fünf oder sechs Jahren zusammengebracht.
Schreibt ihr die Lieder immer alle zusammen? Es gibt durchaus Sachen, die einzelne von uns anschleppen und dann den anderen vorstellen. Oftmals schreiben wir aber wirklich zusammen. Wir setzen uns sehr gerne zusammen und entwickeln die Ideen gemeinsam. Für die Auftragsplatten, die wir machen, ist es aber auch so, dass jeder viel für sich zu Hause alleine arbeitet und wir das dann zusammenfügen.
Das Bildungsprogramm hinter dem Album
Was war der Anreiz für „Von Farbenfeen und Stinkesocken“? Der Anreiz war wirklich, dass wir alle drei gleichzeitig das Verlangen hatten, ein Album und Kinderlieder zu machen. Es war das erste Projekt, das wir gemeinsam gemacht haben. Und dann hat sich ziemlich schnell gezeigt, dass sich das Berliner Bildungsprogramm perfekt dafür anbietet. Wir haben gemerkt, dass man die ganzen Kompetenzbereiche innerhalb des Programms und die ganzen Fähigkeiten, die gefördert werden sollen, prima bedienen kann, indem man Lieder auf die einzelnen Bereiche schreibt.
Wenn das Farbverständnis oder der Umgang mit Farben gefördert werden soll, dann ist das "Farbenfeelied" sehr passend. Wir haben dann ein bisschen danach geguckt, welche Bereiche wir wie abdecken können. So haben wir gemerkt, dass eigentlich alle unsere Lieder auf das Bildungsprogramm anwendbar sind. Also alles was da gefordert wird, findest du in diesen Liedern. Für Erzieher ist es somit einfach, diese Lieder zu benutzen und mit ihnen mit Kindern zu arbeiten.
Warum Musik für Kinder wichtig ist
Wieso ist deiner Meinung nach Musik wichtig für Kinder? Man merkt ja bei Kindern, dass sie von sich aus immer nach Musik suchen. Ob sie jetzt selbst singen oder sich Musik anhören. Sie fördert die Gehirnentwicklung, die Intelligenz, aber auch die Kommunikation. In Berlin haben sie jetzt den Musikunterricht um die Hälfte gekürzt. Und das ist einfach die komplett falsche Entwicklung.
Lieblingslied und Ausblick
Welches eurer eigenen Lieder ist dein Lieblingslied und warum? Das ist eine echt schwierige Frage. Ich glaube, ich finde „Ich erinner' mich an dich“ ganz besonders toll, weil wir uns da diesen doch schwierigen Themen im Kinderliederbereich gewidmet haben: Verluste und Schmerz.
Ich finde es schön, dass wir uns dem nicht verschlossen haben und versucht haben, bewusst so ein Lied zu machen, was trotzdem tröstend sein kann. Ich hoffe, dass es bei den Kindern auch so ankommt. Und ansonsten mag ich natürlich alle unsere Lieder extrem gerne. Es ist schwierig, da ein Lieblingslied zu nennen.
Als letztes würde ich gerne wissen, was du am schönsten an deiner Arbeit findest? Ehrlich gesagt das Musikmachen an sich und die Möglichkeit, das Hobby als Beruf auszuüben. Das ist natürlich ein ganz großes Glück und ein großes Geschenk. Und das Schönste ist das Kreativsein. Etwas zu schaffen, was Bestand hat. medienbewusst.de bedankt sich bei Tobias Weyrauch für diese spannenden Antworten und freut sich auf das nächste Album des Trios. Viel Erfolg für eure Zukunft.
Kinderlieder im Alltag: Worauf Sie achten können
Anregungen aus dem Interview mit Tobias Weyrauch, formuliert als Fragen für den eigenen Familienalltag:
- Eigene Erlebnisse aufgreifenLieder, die ein Erlebnis des Kindes aufgreifen, bleiben oft länger im Ohr als reine Spaßlieder.
- Auch ernste Themen zulassenStücke wie „Ich erinner' mich an dich“ zeigen, dass sich auch Verlust und Trauer kindgerecht vertonen lassen.
- Gemeinsam zuhören statt nur laufen lassenWer kurz nachfragt, was dem Kind an einem Lied gefällt, erfährt oft mehr als über ein offenes Gespräch.
- Verschiedene Musikstile ausprobieren3Berlin wechselt bewusst zwischen Genres - Kinder profitieren von Abwechslung, nicht nur von einem Stil.
Wer ist Tobias Weyrauch?
Tobias Weyrauch ist Musiker und Komponist des Berliner Kindermusik-Trios 3Berlin, das er zusammen mit Carsten Schmelzer und Diane Weigmann gegründet hat.
Was macht Diane Weigmann bei 3Berlin?
Diane Weigmann ist die dritte Musikerin im Trio, sie spielte vorher bei den "Lemonbabies" und in einem eigenen Soloprojekt, bevor sie mit Tobias Weyrauch und Carsten Schmelzer Kinderlieder schrieb.
Worum geht es im Album „Von Farbenfeen und Stinkesocken“?
Laut Tobias Weyrauch orientieren sich die Lieder am Berliner Bildungsprogramm für Kitas und decken dessen Kompetenzbereiche ab.
Wer nach weiteren musikalischen Empfehlungen sucht, findet unter Podcasts und Hörspiele für Kinder, woran gute Hörangebote zu erkennen sind. Auch jenseits von Musik helfen Kinderseiten, die taugen dabei, altersgerechte Angebote zu finden, und Medien sinnvoll nutzen gibt weitere Ideen für gemeinsame Medienzeit.
Zuletzt geprüft am 05.10.2026
Redaktioneller Stand
- Geprüft am
- 05.10.2026
- Geprüft von
- Redaktion medienbewusst.de
- Wiedervorlage
- 04.10.2028
Wir prüfen Angaben gegen die Stelle, die zuständig ist - Gesetzestext, Behörde, Anbieter oder Studie - und nennen sie. Veraltet eine Angabe, gilt das Datum oben als Hinweis darauf, wie alt sie ist. Wie wir arbeiten
