Zum Inhalt springen
medienbewusst.de - kinder. medien. kompetenz.
Ist gerade etwas passiert? Zur Soforthilfe

Kindheit ist ein so schützenswertes Gut

Ein Vater und seine Tochter hören gemeinsam auf dem Sofa Musik von einem CD-Player.
Manche Kinderlieder wirken nicht trotz ihres Alters, sondern gerade deswegen.

Ein Interview mit dem Liedermacher Gerhard Schöne: über die eigene Kindheit als Inspirationsquelle, das Hörbuch mit seinem Sohn und die Lieder, die beim Publikum ankommen.

Zur Frage, wie seine Tochter zu seinen Kinderliedern steht, erzählt Gerhard Schöne im Interview mit medienbewusst.de: Als sie klein war, begleitete sie ihn zu Auftritten, später wandte sie sich in der Schulzeit davon ab - bis gleichaltrige Mitschüler sie danach fragten und sie neu hinhörte.

Gerhard Schöne auf einen Blick

WasAngabe
BerufLiedermacher für Kinder
Bekannte Lieder„Jule wäscht sich nie“, „Der Popel“, „Die Alte auf der Schaukel“
Auszeichnungenu. a. Leo-Kestenberg-Medaille, Medienpreis Leopold
Hörbuch„Wenn Franticek niest“ - Geschichten zu Zeichnungen seines Sohnes Jona

Wer Gerhard Schöne ist

Gerhard Schöne ist wohl einer der bekanntesten Liedermacher, dessen Texte sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit erfreuen. Seine Werke gelten als pädagogisch wertvoll. Für sein Schaffen hat er schon mehrere Auszeichnungen erhalten, so z.B. die Leo-Kestenberg-Medaille für schulische Musikerziehung. Schöne gibt jährlich ungefähr 100 Konzerte und ruht sich nicht auf seinen alten Projekten aus, sondern versucht weiterhin aktiv und vor allem kreativ zu bleiben.

Das folgende Interview führte die Redaktion vor einiger Zeit. Alter der Kinder, Konzertzahl und ähnliche Angaben darin stammen aus diesem Gespräch von damals und wurden nicht erneut abgefragt.

Woher die Lieder kommen

Was hat Sie dazu inspiriert Musik für Kinder zu machen und woher schöpfen Sie noch heute Ihre Ideen?

Ich hab ziemlich zeitig angefangen. So mit 12 oder 13 Jahren entstanden die ersten eigenen Lieder. Da waren das natürlich eher Gedanken eines Kindes, die da in den Liedern auftauchten. Als ich anfing das Ganze beruflich zu machen, kam ich ab und zu in die Verlegenheit auch mal für Kinder einen Auftritt zu gestalten. Und dann hab ich so eine handvoll Lieder gehabt, die eher witzig waren, so Wortspiele und sowas. Irgendwann fing ich an mir ernsthaft Gedanken zu machen, wie ich Programme für Kinder 'bauen' könnte.

Meine Gedanken gingen in die Richtung, was ich davon verantwortungsvoll in ein Kinderlied packen kann. Zunächst sind die Lieder in Erinnerung an die eigene Kindheit entstanden. Eigene Kinder hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, das kam erst später. Meine größte Inspiration ist nach wie vor die Erinnerung an die eigene Kindheit.

Sie beschreiben auf Ihrer Homepage gerhardschoene.de Ihre Lieder als "Lebenszeichen. Sie sollen ansingen gegen alles, was Leben einschränken oder verhindern will, in uns und um uns herum." Was genau meinen Sie damit, gegen was sollen sie "ansingen"?

Ich will all dem, was Leben bejaht, Leben befördert, in Liedern und gesungenen Geschichten eine Stimme geben. Das kann von antimilitaristisch, friedensliebend über alle möglichen Borniertheiten Menschen gegenüber, die anders sind und Liebe allem Leben gegenüber gehen. Einer meiner großen Helden aus meiner Kindheit ist Albert Schweitzer , welcher die 'Lehre der Ehrfurcht vor allem Leben' den Menschen ins Herz reden und schreiben wollte. Das finde ich sehr überzeugend.

Man sollte abwägen, was unbedingt für das eigene Leben notwendig ist und was zurückgegeben wird an guten lebensfördernden Impulsen, ob das nun Gedanken oder Taten sind, ist egal.

Das Wunschkonzert und die beliebtesten Lieder

Beim Wunschkonzert darf das Publikum aus 123 Liedern drei auswählen und diese dann zu Ihnen per Papierflugzeug auf den Weg schicken. Was sind die beliebtesten Lieder Ihrer Zuhörer?

Unter den Kinderliedern ist es 'Jule wäscht sich nie' und 'Der Popel' und von den älteren Liedern kommt dann z.B. 'Die Alte auf der Schaukel'. Im Grunde genommen meine ersten Lieder. Die erste Platte, die 1981 entstand, war zu DDR-Zeiten etwas Besonderes für einige Menschen. Viele hängen sehr an dieser ersten Platte und finden die neueren Sachen nicht so gut.

Wenn man beispielsweise das erste eigene Zimmer besingt oder die erste große Liebe und die Zuhörer sich damit identifizieren können, sich im Einklang mit den Sängern befinden, dann ist klar, dass das, was man da tut, auf fruchtbaren Boden fällt.

Sein Sohn, seine Tochter - und die eigene Kindheit

Ihre neuste Veröffentlichung ist das Hörbuch "Wenn Franticek niest". Hier haben Sie sich Geschichten zu Bildern Ihres kleinen Sohnes Jona ausgedacht. Was hält ihr Sohn von ihrer Interpretation seiner Bilder?

Voranstellen muss ich, dass ich meinen Sohn fast nie gefragt habe: 'Was soll das bedeuten?', weil ich gelesen habe, es soll besser sein, Kinder machen zu lassen und sie nicht um Erklärungen zu bitten, weil sie dann schon denken: 'Oh, jetzt muss ich das gleich wieder erklären, dazu hab ich keine Lust'. Das schränkt sie dann in ihrer Kreativität ein und deshalb habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht. Manchmal hab ich etwas völlig falsch interpretiert, wo er was ganz anderes meinte.

Was halten Ihre Kinder ganz allgemein von Ihren Arbeiten?

Also ich hab eine große Tochter, die ist 24. Als sie klein war, hat sie mich begleitet und wenn andere Kinder kamen, hat sie sich an mich angeschmiegt, um sozusagen zu zeigen, dass ich ihr gehöre. Später hatte sie dann einen anderen Geschmack und die Lieder nicht mehr gehört und erst als sie so in die achte Klasse ging, kamen größere Schüler ihrer Schule und fragten sie: 'Was, du bist die Tochter von Gerhard Schöne? Kennst du das und das?'

Und dann dachte sie, dass das doch gar nicht so schlecht zu sein scheint und hat sich das mal wieder angehört. Und den Kleinen, zwischen sechs und zehn Jahren, denen nötige ich nicht meine Kinderlieder auf. Sie hören sich neben anderen CDs auch meine an und haben dann ab und zu Fragen. Es läuft aber nicht andauernd, sondern eher gleichberechtigt mit anderer Musik. Sie lehnen es weder ab, noch hören sie es richtig oft, aber ich denke, sie finden es schon ganz gut.

Auszeichnungen und der Anspruch an eigene Lieder

Sie haben schon diverse Auszeichnungen bekommen, so z.B. den Medienpreis Leopold oder die Leo-Kestenberg-Medaille. Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie?

Es schmeichelt, wenn man sowas bekommt. Bei Preisverleihungen lernt man interessante Leute kennen, aber eigentlich bedeutet es mir doch herzlich wenig. Ich häng mir das nie hin, sondern das ist dann eher in einer Kiste vergraben. Viel wichtiger ist es mir kreativ zu bleiben, die Antennen auszufahren, sensibel für Themen zu sein oder wie ich Themen, die ja eigentlich auf der Straße liegen, so anpacke, dass sich die Leute dafür interessieren.

Ihre Werke werden unter anderem als pädagogisch wertvoll und gesellschaftskritisch beschrieben. Was sagen Sie dazu?

Ich denke beim Schreiben von Kinderliedern überhaupt nicht daran, dass ich die Kinder pädagogisch belehren oder richtig erziehen möchte. Bei 'Jule wäscht sich nie' war es überhaupt nicht meine Absicht den Kindern zu sagen: 'So ihr Lieben, müsst euch aber fein waschen, sonst geht es euch wie der Jule'. Das find ich eher peinlich. Ich mag es gern Geschichten zu erzählen, besonders in Liedern. Das ist ja etwas sehr kurzes und kompaktes so ein Lied, wo man sehr schnell zur Sache kommen muss.

Trotzdem kann man sich Kontraste erlauben, das Eine dem Anderen gegenüberstellen. Die Musik macht es dann, dass die Geschichte nicht nur durch den Kopf geht, sondern die Leute auch mit Gefühl dabei sind.

Zukunftspläne

Übernächstes Jahr werde ich 60. Da bin ich schon dankbar, wenn ich ein treues Publikum habe und wenn Leute sich wirklich interessieren, obwohl ich das schon so lange mache. Ich bin dankbar, wenn mir neue Ideen kommen. Im Herbst habe ich beispielsweise wieder neue Lieder zum Thema 'Briefe schreiben' geschrieben. Wenn sich die Leute dafür interessieren, sich darauf einlassen, dann kann ich schon sehr dankbar sein, deshalb hab ich jetzt nicht mal große Pläne.

Ich bin froh, wenn mir noch genügend Gutes einfällt und wichtig ist mir auch, immer mal mit interessanten neuen Partnern zusammenzuarbeiten. Das fortzuführen, was ich ohnehin schon mache, das ist mein Zukunftsplan. Und auch den richtigen Moment zu erspüren, wenn es sich gehört, aufzuhören.

Passen Gerhard Schönes Lieder zu Ihrem Kind?

Vier Fragen, bevor Sie seine CDs oder das Hörbuch vorspielen:

  • Mag Ihr Kind eher ruhige, nachdenkliche Lieder als reine Partymusik?Schöne beschreibt sein eigenes Repertoire als Mischung aus witzigen und stillen Liedern.
  • Ist Ihnen wichtig, dass ein Kinderlied nicht moralisch belehrt?Schöne sagt im Interview ausdrücklich, dass er Kinder nicht erziehen, sondern Geschichten erzählen will.
  • Hören Sie gern auch ältere, teils noch aus DDR-Zeiten stammende Kinderlieder?Ein Teil seines Repertoires stammt aus seinen ersten Jahren als Liedermacher, wie er im Interview erzählt.
  • Suchen Sie ein Hörbuch mit persönlicher statt beliebiger Note?„Wenn Franticek niest“ erzählt Geschichten zu echten Kinderzeichnungen seines Sohnes.

Was sagt Gerhard Schöne über seine Tochter?

Im Interview erzählt er, dass seine Tochter ihn als Kind zu Auftritten begleitete und sich später von den Liedern abwandte - bis gleichaltrige Mitschüler sie danach fragten und sie wieder hinhörte.

Welche Lieder von Gerhard Schöne sind am beliebtesten?

Beim Publikum kommen laut Schöne vor allem „Jule wäscht sich nie“, „Der Popel“ und „Die Alte auf der Schaukel“ an - nach eigener Aussage seine ersten Lieder überhaupt.

Was erzählt Gerhard Schöne über seinen Sohn?

Für das Hörbuch „Wenn Franticek niest“ erfand er Geschichten zu Zeichnungen seines Sohnes Jona - im Interview erzählt er auch, welche Geschichte seinem Sohn zunächst nicht gefiel.

Die Redaktion von medienbewusst.de bedankt sich bei Gerhard Schöne für das Interview.

Wer nach dem Hörbuch weitersucht, findet unter Podcasts und Hörspiele für Kinder, woran gute Angebote zu erkennen sind. Allgemeine Kriterien für kindgerechte Medien bündelt Medien sinnvoll nutzen, und wer lieber im Netz stöbert, findet passende Adressen unter Kinderseiten, die taugen.

Zuletzt geprüft am 07.10.2026

Redaktioneller Stand

Geprüft am
07.10.2026
Geprüft von
Redaktion medienbewusst.de
Wiedervorlage
06.10.2028

Wir prüfen Angaben gegen die Stelle, die zuständig ist - Gesetzestext, Behörde, Anbieter oder Studie - und nennen sie. Veraltet eine Angabe, gilt das Datum oben als Hinweis darauf, wie alt sie ist. Wie wir arbeiten