Kreativ statt Destruktiv


Für viele Menschen ist das Mobiltelefon: Kommunikationsmittel, Navigationshilfe, Wissensspeicher, Wecker – und tatsächlich gibt es kaum etwas, das moderne Handys nicht können. Umso verwunderlicher ist es da, dass nur wenige Nutzer ihre Mobiltelefone als Werkzeuge verstehen, mit denen sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

Insbesondere für Kinder wären die umfangreichen Funktionen ihres Handys, beispielsweise das Aufnehmen von Videos, eine Möglichkeit, um mit den kleinen Alleskönnern sinnvoll umzugehen. Dies setzt jedoch voraus, dass Kinder eine gewisse Medienkompetenz, also das Wissen um die Herstellung, Finanzierung und die Arbeitsabläufe rund um ein Medienprodukt, haben. So zumindest sieht es Prof. Dr. Daniel Süß, Medienpsychologe an der Uni Zürich. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie man Kinder oder Jugendliche dahingehend unterstützen kann, über problematische Darstellungen kritisch nachzudenken und kompetent damit umzugehen.  Seiner Ansicht nach ist medienpädagogischer Unterricht dabei das Wichtigste: „Es geht darum, den Jugendlichen die sozialen Konsequenzen des Mediengebrauchs und -missbrauchs zu erklären und sie zu einem kreativen statt destruktiven Medienumgang zu führen.”

Besonders wichtig sei daher der kreative Umgang mit Mobiltelefonen, um positive Erfahrungen mit dem technischen Gerät zu sammeln. So soll die Wahrscheinlichkeit der Entstehung und Verbreitung von gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Videos, welche zu den populärsten Inhalten auf den Handys von Jugendlichen gehören, verringert werden. Um dies zu erreichen sollen Kinder und Jugendliche dazu ermutigt werden z.B. mit dem Handy spannende oder witzige Videos aufzunehmen oder kleine Bildergeschichten zu kreieren. Bei der Durchführung der Aufnahmen können gleichzeitig die Regeln der Persönlichkeits- sowie Urheberrechte erklärt werden, um zu verhindern das in copyrightgeschütztes Material verwendet wird oder Personen ohne ihre Einwilligung gefilmt werden.

Ein vorbildliches Beispiel für ein Vorhaben, in dem Schüler zu mehr Medienkompetenz erzogen werden ist das britische Projekt „School Report“. Dabei handelt es sich um ein von der BBC durchgeführtes und von professionellen Journalisten betreutes Angebot, bei dem elf- bis vierzehnjährige Schüler in die Rollen von Reportern schlüpfen und  ihre eigene Schülerzeitung gestalten. Vor allem durch die Unterstützung und Betreuung von Profis sollen die Kinder dabei lernen wie Medien funktionieren und Nachrichten gemacht werden.

Weitere Tipps für den für Kinder sinnvollen Umgang mit Mobiletelefonen sind im Buch „Spiel-Spaß-Wissen – Das Handy-Spielebuch“ zu finden, welches Übungen in den Bereichen Spielpädagogik und Medienpädagogik anbietet. Wenn nicht jedes Schaffen mit dem Handy gleich pädagogisch wertvoll, aber durchaus kreativ sein soll, dann reicht es oft schon einfach gemeinsam die technischen Möglichkeiten des Mobiltelefons zu entdecken.  Oft gibt es z.B. die Möglichkeit Umgebungsgeräusche aufzunehmen. Der Ton der S-Bahn, das Klingeln der Schulglocke usw. können dann als individuelle Klingeltöne für Anrufer genommen werden oder am PC zu kleinen Songs zusammengebastelt werden. Auch Bilder von Prominenten lassen sich am PC bearbeiten und als Hintergrundbild fürs Hauptmenü des Handys einrichten.

Wer es also seinem Kind erlaubt, sich ein Mobiltelefon in die Hosentasche zu stecken, der sollte dies nicht als notwendiges Übel erachten, sondern potentielle Gefahren besprechen und diese sogar als nützliche Hilfsmittel zum Lernen einsetzen.  Sollten danach immer noch Zweifel bestehen, so lohnt es sich zusammen mit dem Spross selbst am Handy kreativ zu werden und so gemeinsam Klingeltöne, Bildschirmschoner oder kleine Filme zu erstellen.

Patrick Feldner

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