*LOL :-)*


„Wer will chaddn?“, lautet nicht selten die Begrüßung beim Chatten oder Plaudern und erscheint den meisten Außenstehenden schwer verständlich. Über das Internet und seine Dienste gibt es verschiedene Theorien, u.a. die eines medial bedingten Sprachwandels. Deutsche Sprachpuristen denken beim Thema Internet und Sprache sofort an die Bedrohung der deutschen Sprache durch „Überfremdung“, aber wie realistisch ist diese Sichtweise?

Vor knapp 5000 Jahren begann die Entwicklung der Schrift, ein junger, aber dennoch bedeutsamer Schritt in der Geschichte der Medienentwicklung. Es existieren zwei Arten von Sprache, die der Mündlichkeit und die der Schriftlichkeit. Letztere ist nicht an die Situation gebunden, weist einen höheren Komplexitätsgrad auf und wird als Sprache der Nähe deklariert. Internet fixiert Sprachwandel gleichsam schriftlich, jedoch bestimmt der Nutzungszweck die Sprachverwendung. Welchen Beitrag leisten die „Neuen Medien“ für Sprache und Kommunikation und verändert Internet nun die Sprache oder gibt es eine spezifische Sprache im Internet? Beides ist mit ja zu beantworten.

Zunächst müssen die einzelnen Kommunikationsvorgänge in Abhängigkeit der jeweiligen Internetnutzung untersucht werden. So variiert vor allen Dingen der Einsatz sprachlicher Mittel innerhalb der einzelnen Anwendungen. Die zeitgleiche Chat-Kommunikation bietet andere Formen des interaktiven Austausches, als bspw. die E-Mail.

Untersuchungen, die zum Chat vorliegen, belegen das Interesse an dieser Form der Kommunikation und unterstreichen, dass es sich hierbei vielleicht um die innovativste und kreativste Form der internetbasierten Sprachverwendung handelt. Vor allem für Schüler ist der Online-oder auch IRC (Internet Relay)- Chat, zunehmend interessant. Zwei oder mehrere Teilnehmer, welche um den Globus verteilt sein können, tauschen sich live und in entspannter Atmosphäre aus.

Da Mimik, Gestik und andere außersprachliche Handlungen nicht sichtbar sind, bedarf es einer entsprechenden Kompensation. Als Ersatz dienen u.a. Emoticons (wie Smileys) oder sogenannte Inflektive (wörtliche Abkürzungen einer Handlung), wie zum Beispiel „lach“. In der Europachat-Studie von 2000 wurden 21 Chatsitzungen des Europachats des Medienzentrums Helliwood in Berlin von Juli bis Dezember u.a. nach sprachstilistischen Mitteln analysiert. Zusammenfassend ließ sich ein vorrangiger Gebrauch von Emoticons und Äußerungen in Asterisken (Wörter in *Sternchen*) in den Chat-Gesprächen nachweisen. Die spezifischen Sprachformen ließen eine Parallele zur Comicsprache erkennen.

Zehn Jahre sind vergangen, was hat sich seitdem im Chat-Sektor verändert? Der Seitenstark-Chat ist ein Kinderchat, der in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig mit höchster Priorität auf die Sicherheit der Kinder beim Chatten, Wert legt. Die Zielgruppe ist ähnlich der des Europachat und liegt bei 8-16 Jahren. Nach Befragungen der beiden Moderatorinnen, hat sich der bevorzugte Einsatz der Emoticon-Varianten bestätigt.

An zweiter Stelle stehen Akronyme wie: „hdl“ (hab dich lieb), „sry“ (sorry) und „bb“ (byebye). Aktionswörter in Asterisken, wie *michgeschmeicheltfühl*, *dichinteressiertanguck*, welche Gefühlsäußerungen wiedergeben, werden in geringerem Umfang beobachtet. Das „Sich Ausprobieren“ bestimmt in beiden Fällen einen Großteil der Kommunikation, ob nun durch provokative Nicknamen, Verhaltensweisen oder durch das Annehmen verschiedener Identitäten. Die Grenzen solcher Aktionen legt die Chatiquette fest. In Erscheinung des Moderators bestimmt sie über Do‘s & Dont’s.

Ein Wesenszug der Chats ist Effizienz, durch welchen sich der Gebrauch von Akronymen, erklären lässt. So äußert man beispielsweise ein empfundenes Grinsen mit „g“ oder ein lautes Lachen mit „lol“, um Zeit einzusparen. Die Verwendung von Internetfachbegriffen, Jargon und Anglizismen demonstriert die Zugehörigkeit zur Netzkultur. Rechtschreibfehler, Umgangssprache oder unvollständige Grammatik verleihen den Textbotschaften ihren informellen und ungezwungenen Charakter. Textbeiträge, wie: „Will gemand mit mir cheten?“, gäben jedoch Anlass zur Besorgnis, bestätigte die Moderatorin. Allerdings bestünde keine Gefahr einer Verwahrlosung von Sprache oder einer gänzlich neuen Sprachform. „Es gibt Neuerungen und neue Aspekte, aber die Basis ist dennoch die Alltagssprache und keine völlig neue Form. Allerdings richtet sich die Schriftsprache an der mündlichen Kommunikation aus. Es wird umgangssprachlich geschrieben“, so die Einschätzungen der Moderatorinnen.

Die Bezeichnung „Internet-Sprache“ kann als die Form eines Gesprächs, indem Sprache interaktiv geschrieben statt gesprochen wird, verstanden werden. Das die Änderungen, die sich im Schriftbild des Online-Chats manifestieren, viel weniger Ausdruck der Veränderung der Schrift selbst, als der der medienaktiven Gesellschaft ist, ahnte schon Wilhelm von Humboldt, der wusste: „Sprachschöpfung ist Weltschöpfung.“

Katja Abel

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Anmerkung der Redaktion:

Nähere Information zum Thema „Chatten“ finden Sie auch auf: klicksafe.de