„Medien alleine machen noch keinen besseren Unterricht“


Laptop-Klassen, iPad-Klassen, Schul-Apps, interaktive Tafeln – Medien bestimmen immer mehr den Schulalltag. Doch wie sinnvoll ist diese Entwicklung und wann ist es empfehlenswert, bestimmte Medien zu verwenden? medienbewusst.de hat dazu Dr. phil. Michael Kirch von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München befragt.

Herr Dr. Kirch, sie sind Akademischer Rat an der LMU München und forschen im Bereich der Grundschulpädagogik. Wo liegen da ihre Schwerpunkte?

Ein Schwerpunkt meiner Lehr- und Forschungstätigkeit liegt in der Optimierung von Unterricht durch die entsprechende Integration unterschiedlichster Medien. Das können mobile Tablets sein, 3D-Anwendungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht und vieles mehr. Insgesamt geht es bei allen Projekten um die Gestaltung von Unterricht und die Integration von Medien.

Sie betreuen auch eine sogenannte iPad-Klasse. Welche Erfahrungen haben sie damit gemacht?

Bis jetzt haben wir noch keine Daten vorliegen, da wir noch immer in der Forschung stecken. Allerdings machen wir grundlegende Erfahrungen mit dem iPad. Das Medium selbst hat eine sehr hohe Attraktivität für Kinder. Lehrerzentrierter Unterricht kann da manchmal schwer werden. Der Umgang mit iPads fordert neue Kompetenzen auf Seiten der Lehrkraft und eine umfassende Fachkenntnis bezüglich des Mediums und wie man dieses im Unterricht einsetzt.

Es zeigt sich aber auch, dass das iPad ein Medium ist, welches das individuelle Lernen besonders fördern und unterstützen kann, schließlich hat man es überall dabei. Konzeptionell ist es auch eher als „One-to-One“-Medium angelegt, also als ein Medium, welches der Schüler alleine, anstatt der Klasse, nutzt.

Sie waren auch an einer App-Entwicklung beteiligt. Worauf muss man bei einer Schul-App achten?

Ich war in beratender Funktion bei einer App-Entwicklung involviert. Die App „MonteCalc“ versucht den Rechenrahmen aus der Montessoripädagogik auf das iPad zu bringen. Es ist keine klassische Lern-App, bei der die Schüler Fragen beantworten müssen, indem sie auf die passende Antwort drücken. Montecalc zielt darauf ab, das Lernen zu veranschaulichen und somit zu unterstützen. Dafür ist das iPad sehr gut geeignet.

Dr. Michael Kirch

Wichtig ist dabei immer, dass man technische Möglichkeiten und pädagogische Qualitätskriterien berücksichtigt. Dabei muss meiner Ansicht nach immer folgende Frage beantwortet werden: Was brauchen Schule und Unterricht? Um dann nachzufragen: Was kann Mobiles Lernen leisten und wie müssen Apps gestaltet sein, damit diese Anforderungen erfüllt werden. Die Erfahrung, die wir hier wie schon oft in anderen Medienprojekten gemacht haben, ist folgende: Medien alleine machen noch keinen besseren Unterricht. Es ist die Art und Weise wie man sie einsetzt.

Was sagen die Lehrer zu den Neuerungen, die elektronische Medien im Unterricht mit sich bringen?

Lehrer nehmen elektronische Medien sehr gerne an, wenn damit die Qualität des Unterrichts verbessert und der Aufwand minimiert wird. Jedoch ergeben sich bei der Frage nach der sinnvollen Integration in den Unterricht Fragen.

Positive Erfahrungen motivieren. In einem unserer iPad Projekte fragte die Lehrkraft zu Beginn einer neuen Einheit die Vorerfahrungen der Schüler ab. Dieselben Fragen wurden am Ende gestellt, so dass Lehrkraft und Schüler den Lernzuwachs verdeutlicht bekamen. Nichts ist motivierender als Erfolg.

Wie sehen Sie die Zukunft der mobilen Endgeräte im Schulalltag?

Ich beschäftige mich damit seit 1988, und wenn ich mir die Entwicklung insgesamt anschaue, dann sehe ich, dass die Entwicklungen langsam voranschreiten. Mit Blick auf die mobilen Endgeräte stehen wir erst am Anfang. Ich gehe jedoch davon aus, dass in Zukunft interessante Impulse für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht geben werden. Denken Sie nur an das Schulbuch und Arbeitshefte, die anders gestaltet werden können und auf den mobilen Endgeräten genutzt werden können.

 

medienbewusst.de bedankt sich bei Herrn Dr. Kirch für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg.

 

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Marvin Strathmann

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