„Musik auf Rädern“ – Das MusikMobil


Kinder und Jugendliche, die entfernt von größeren Städten wohnen, haben meist weniger Möglichkeiten, mit Musik in Kontakt zu treten. Andere bringen aus verschiedenen Gründen kaum Musikerfahrung aus dem Elternhaus mit. Damit diese Zielgruppe dennoch vielfältige Möglichkeiten für Projektarbeiten mit Musik haben kann, gibt es das MusikMobil.

Zu Hause ist das Mobil in Sondershausen, genauer in der Landesmusikakademie. Von dort aus fährt es vollgepackt mit verschiedenen Instrumenten durch ganz Thüringen. Hauptsächlich wird das Mobil von Schulen und Kindergärten gebucht, aber auch Privatpersonen können diese Möglichkeit nutzen. Andreas Hensel ist der Ansprechpartner des „MusikMobils“. Er koordiniert die Termine, vermittelt und füllt das Mobil mit den gewünschten Musikinstrumenten. Eigentlich ist er Chemie- und Biologielehrer. In seiner Jugend sang er im Chor mit und entdeckte dabei seine Liebe zur Musik. Die Tätigkeit bereitet ihm sichtlich Freude. „Mein eigener Mehrwert an dem Projekt ist, dass ich dadurch nicht nur meinen Horizont erweitern kann, sondern auch die Kultur voran bringe und zudem ist es eine willkommene Abwechslung zum Schulunterricht“, berichtet er stolz.

Wer das MusikMobil bucht, bekommt nicht nur ein Auto voller Instrumente, es werden zudem verschiedene Workshop-Programme angeboten, welche auf der Basis von Projektarbeiten durchgeführt werden. Kaum ein Einsatz läuft deswegen genau gleich ab. Zur Wahl stehen dabei unter anderem „Stimme und Instrument“, „Kinder-Percussion“ oder „Jazz für Anfänger“. Besonders beliebt ist dabei der Workshop mit den „Boomwhackers“. Die dreistündigen Workshops werden von unterschiedlichen Dozenten angeboten. Mal sind es Musiklehrer, Pädagogikstudenten oder Orchestermusiker.

Wie wichtig es ist, dass es das MusikMobil gibt, macht Friedel Schmitz deutlich. Sie ist Lehrerin an der Regelschule in Greußen und der Auffassung, dass der übliche Musikunterricht recht trocken ist. Hinzu kommt, dass die letzte Musiklehrerin vor kurzem in Rente ging. Derzeit gibt ein Sportlehrer Musikunterricht, weil er Gitarre spielen kann. „Es gibt einen Lehrermangel, gerade in den kleineren Ortschaften“, sagt sie. Die Regelschule buchte das MusikMobil nun bereits zum zwölften Mal. So haben die Schüler die Gelegenheit, mit Instrumenten in Kontakt zu kommen. Friedel Schmitz ist froh, dass es das Mobil gibt. Ihrer Meinung nach muss noch viel getan werden, um diesem Mangel in der Musikbildung entgegen zu treten. „Doch wird durch das Mobil ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan“, meint sie.

Skeptiker des Projekts könnten zu denken geben, dass der einmalige Besuch des MusikMobils Kindern ohne Musikerfahrung längerfristig nicht viel nützt. Doch Elke Hensel, ebenfalls Lehrerin an der Greußner Regelschule sagt, „dass das Mobil nicht nur eine Ergänzung zum Musikunterricht ist, sondern auch noch andere positive Nebeneffekte mit sich bringt“. Selbst schwierige Klassen würden, nach Ihrerer Erfahrung, während des Workshops harmonisch zusammenarbeiten. Selbst anfangs skeptische und zurückhaltende Schüler bringen sich nach kurzer Zeit vollständig mit ein und haben Spaß am gemeinsamen Musizieren. Besonders glücklich ist sie darüber, dass „der geweckte Effekt des Teamgeists noch ein ganzes Weilchen danach anhält“. Zudem würden selbst Kinder ohne Musikerfahrung schnell die Rhythmen beherrschen und am Ende ein großes Erfolgserlebnis haben. Die Kinder würden neue Seiten an sich entdecken. „Diese Erkenntnis stärkt sie auch im Alltag“, so Elke Hensel. Auch lobt sie das gut geschulte Personal des MusikMobils, welches sehr feinfühlig auf die Kinder eingeht und das Programm gut auf das jeweilige Alter abstimmt. Die Kinder seien jedes Mal traurig, wenn das Mobil wieder fährt. Am liebsten würde die Lehrerin das Mobil alle vier Wochen buchen. Doch auch wenn der Preis im Verhältnis recht günstig ist, muss das Geld dafür erst mal aufgebracht werden. Für Schulen und Kindergärten kostet das Mobil 60 Euro, dazu kommen noch die Fahrtkosten.

Das MusikMobil ist einmalig in Thüringen. Am 6. November 2008 war es zum ersten Mal im Einsatz. Seitdem fährt es zirca dreißig Mal im Jahr quer durch Thüringen und besucht musikinteressierte Kids. Doch, so erzählt Andreas Hensel freudig, „die Tendenz ist steigend“. Gerne, wenn es nach ihm ginge, würde sich das Projekt selbst finanzieren. Ganz ohne Zuschüsse vom Land Thüringen geht es noch nicht, aber er ist zuversichtlich, da das Projekt expandiere. Und so ist geplant, es zu vergrößern, indem beispielsweise nach weiteren Dozenten gesucht wird.

Alice End

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