Von Lausbuben und Indianern


„Das ist nichts für Kinder“ bemerkt Tante Polly streng beim Abendbrot. Mit Indianer Joes Antwort „Manchmal wissen Kinder mehr als sie sollten“, widerspricht Regisseurin Hermine Huntgeburth dem jedoch, was gemessen an ihrem Film durchaus der Wahrheit entspricht.

Eines Nachts beobachten die beiden Freunde und Herumtreiber Tom Sawyer und Huckleberry Finn  auf dem Friedhof wie Indianer Joe, ein gefürchtetes Halbblut, den Dorfarzt Robinson ermordet. Aus Angst selbst zu Opfern zu werden, schwören sie, niemandem etwas davon zu erzählen.

Bald darauf wird dieser Schwur jedoch auf eine harte Probe gestellt, als herauskommt, dass Joe den Mord dem Landstreicher Muff Potter in die Schuhe geschoben hat. Dieser wird daraufhin ins Gefängnis geworfen und soll in den nächsten Tagen gehängt werden.

Auch nachts kommt Tom nun nicht mehr zur Ruhe, da ihn Alpträume von Indianer Joe plagen, der gekommen ist, um ihn zum Schweigen zu bringen.

Bei der Gerichtsverhandlung von Muff Potter bricht er dann seinen Schwur und benennt das Halbblut als den wahren Mörder. Somit steuert die Geschichte bereits auf die Konfrontation zwischen Tom und Indianer Joe zu, denn der kann aus dem Gerichtssaal entkommen und schwört, dass er sich an Tom rächen wird.

Verglichen mit dem Original ist der Film eine überraschend gute Adaption von Mark Twains Klassiker Die Abenteuer des Tom Sawyer. Selbst Worte wie „Nigger“ werden nicht, wie in einigen der neueren Auflagen des Buches, durch politisch korrekte Wörter ersetzt. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt der Film dem Buch treu.

Die Angabe FSK 6 erscheint zunächst ein wenig gewagt und wird an einigen Stellen durchaus an ihre Grenzen gebracht. So zum Beispiel als Joe im Traum von Tom in sein Zimmer schleicht und versucht ihn, unter bösartigem Lachen und Grimassen schneidend, zu erwürgen. Diese Augenblicke, wenn auch präsent, stellen jedoch die Ausnahme dar. Keineswegs rückt die Tatsache in den Hintergrund, dass der Film hauptsächlich auf ein junges Publikum abzielt.

Selbst in den wenigen Momenten, in denen man daran zweifeln könnte ob die Altersbegrenzung wirklich angemessen ist, achtet die Huntgeburth darauf, die jungen Zuschauer nicht zu verschrecken.

Unter den vielen Tom Sawyer Verfilmungen ist diese sicherlich eine der Besseren, die mit schönen Bildern, Humor und guten Schauspielern für sich zu werben weiß.

Christoph Demmer

Bildquelle:
© Majestic Filmverleih