Wichtige Hilfe bei der Medienerziehung


Brauchen Kinder Handys? Wie können Handys sinnvoll in den Kinderalltag integriert werden? Diese Fragen bestimmen den Arbeitsalltag von Arnfried Böker. Als Betreiber der Informationsplattform handywissen.info und Geschäftsführer der Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. setzt er sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit der kompetenten Handynutzung von Kindern auseinander.

In zahlreichen Büchern, Fachaufsätzen und Informationsbroschüren zum Thema „Handy und Pädagogik“ versucht Arnfried Böker speziell Eltern bei der Medienerziehung zu unterstützen. Vor allem wenn bei den Kleinen der Wunsch nach einem Handy lauter wird, brauchen die meisten Eltern Hilfe. In solchen Zeiten schwirren Fragen durch den Kopf, wie „Ist mein Kind alt genug für ein Handy?“, „Welcher Handytarif ist der beste für mein Kind?“ oder „Wie kann ich die Handynutzung meines Kindes kontrollieren?“. Arnfried Böker rät in diesen Fällen immer das Gespräch zwischen Eltern und Kind. Denn nur in diesem können Sie herausfinden, aus welchem Grund der Handywunsch bei Ihrem Kind aufgekommen ist, welche Erwartungen es an das Mobiltelefon stellt und welche Funktion es erfüllen soll. Dabei sollte Ihnen bewusst sein, dass das Handy für die Kleinen vor allem ein multimediales und kreatives Spielzeug ist – erst mit dem Älterwerden wird es zum Kommunikationsmittel. Haben Sie das richtiges Handy gefunden, sollten Sie weiterhin die Gespräche mit Ihren Kleinen aufrecht erhalten, um kreative Anregungen zu geben oder Erfahrungen und mögliche Probleme anzusprechen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass zur (Medien-)Erziehung auch Grenzen gehören. So ist es wichtig, Regeln über Nutzungszeiten, Kosten und deren Finanzierung zu vereinbaren. Zusätzlich sollte „mit dem Älterwerden aber die Medienkompetenzförderung ausgeweitet und damit auch die Eigenverantwortung der Kinder ausgebaut werden. Das gelingt nicht, indem man Kinder von allen Unbilden dieser Welt fernhält.“, rät Böker weiter. In diesem Fall ist es wichtig, bei den Kindern ein Problembewusstsein zu schaffen, d.h. ihnen lehren, Probleme zu erkennen und sich mit diesen an Bezugspersonen zu wenden. Eltern sollten auch Möglichkeiten gegen einen möglichen Gruppendruck bieten und damit das „Nein-Sagen“ fördern und Angebote zu einem aktiven, kreativen und kritischen Umgang mit dem Handy aufzeigen.

Diese Angebote bietet zum Beispiel die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. (LSKJ), deren Geschäftsführer Böker ist. Die Aufgaben der LSKJ erstrecken sich dabei von der Beratung und Unterstützung von Eltern und Fachkräften bei der Arbeit mit Kindern, über die Dokumentation und Vermittlung von Informationen zu Kinder- und Jugendschutzthemen, bis hin zur Thematisierung von Kinder- und Jugendschutzfragen und der Gefährdung durch Medien in unserer Gesellschaft. Zum Thema Handy und Pädagogik finden Eltern bei der LSKJ hilfreiche Angebote, wie die Internetseite handywissen.info sowie die beiden Bücher „Spiel-Spaß-Wissen – Das Handy-Spielebuch“ und „Spiel-Spaß-Wissen – Das Handy-Projektebuch“.

Die von Böker betriebene Informationsplattform handywissen.info bietet für alle Interessierten fundierte Informationen rund um das Handy, aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes. Neben Risiken der Handynutzung geht es bei diesem Portal vor allem um Chancen und Präventionsmöglichkeiten, die das Mobiltelefon bietet. So lassen sich zahlreiche interessante Projekte, Maßnahmen, Ansätze und Methoden finden, die speziell aus spiel- und medienpädagogischen Geschichtspunkten entwickelt wurden. Ein Beispiel dafür ist das Handy-Spielmobil, welches auf zahlreichen Stadt-, Kinder- und Familienfesten präsent ist. Mit unterschiedlichen Spielmaterialien rund um das Handy bietet es nicht nur für Kinder sondern auch für Eltern jede Menge Informationen und Spaß. Das Handy-Spielmobil ist dabei nur eines von zahlreichen Angeboten, die auf die Chancen und Gefahren der Handynutzung aufmerksam machen. Aktuelle Termine und Veranstaltungen können auf dem Portal eingesehen werden.

Zur erfolgreichen Medienerziehung durch Eltern und Pädagogen müssen einige Rahmenbedingungen geschaffen werden. In diesem Fall appelliert Böker an die Mithilfe und Unterstützung durch die Gesetzgeber und die Mobilfunkbetreiber. So sind die Gesetzgeber gefordert, wenn es darum geht, Vorgaben zum Kinder- und Jugendschutz zu kontrollieren und die Medienerziehung im Kindergarten und in schulischen Einrichtungen zu ermöglichen – angefangen von der Einführung der Themen in den Lehrplan bis hin zur Ausbildung der Pädagogen. Die Mobilfunkanbieter sollten sich dagegen näher mit den Nutzungsgewohnheiten der Kinder und den Ängsten der Eltern in Bezug auf die Handynutzung auseinandersetzen und daraus Konsequenzen für die Produktgestaltung ziehen. Außerdem sei es erforderlich, sowohl unseriöse Anbieter vom Markt zu verdrängen als auch gemeinnützige Vereine und Landkreise bei der medienpädagogische Arbeit und Medienkompetenzförderung zu unterstützen. Ein Schritt in diese Richtung unternahm Böker mit der Kooperation zwischen dem Mobilfunkanbieter mobilcom und der LSKJ. So entwickelten sie gemeinsam eine Informationsbroschüre, die unter anderem die Vorzüge des mobilen Telefonierens als auch die Gefahren, wie das aktuelle Thema Gewaltvideos oder teure „Premiumdienste“ behandelt. „Wir freuen uns, dass ein bedeutendes Unternehmen beim Thema Jugendschutz unseren Rat sucht“, sagt Arnfried Böker. „Es wird Zeit, dass Gesetzgeber, Jugendschützer und auch Unternehmen bei diesem Thema mehr Verantwortung übernehmen.“

Anne Hensel