„YouTube ist das, was du draus machst!“


Immer mehr Jugendliche streben eine große Karriere im Internet an. Youtube macht es möglich. Eine, die das schon geschafft hat, ist Tamara Schmitt, 26, aus Mainz. Mit ihrem YouTube-Kanal „Vorstadtcinderella“ und dem Blog „Frag die Gurus“, den sie mit drei anderen jungen Frauen führt, gibt sie hauptsächlich Schminktipps und ist damit Vorbild für viele junge Mädchen und auch ein paar Jungs. medienbewusst.de hat mit ihr über den Einstieg in die YouTube-Welt sowie die Gefahren, die dort für Kinder und Jugendliche lauern, gesprochen.

Tamara, wann hast du angefangen Videos auf YouTube hochzuladen?

Das war im September 2008. Angefangen habe ich mit Videos, auf denen man mich nicht sieht. Es ist am Anfang schon eine gewisse Hürde da, sich vor Leuten zu zeigen, die einen sehen können, aber man selbst sieht sie nicht. Mittlerweile habe ich auch viele alte Videos gelöscht, mit denen ich mich nicht mehr identifizieren konnte. Nur das erste habe ich aus Nostalgie behalten.

Wie viele Abonnenten hast du und wie alt sind diese im Durchschnitt?

Unter uns vier „Schminkgurus“ habe ich mit Abstand die jüngsten Zuschauer. Das fängt bei elf Jahren an, aber im Durchschnitt sind sie etwa zwischen 13 und 15 Jahre alt. Das liegt vor allem daran, dass ich Produkte vorstelle, die in die Preiskategorie der Jüngeren passen.

Zu der Anzahl der Abonnenten kann ich nur sagen, dass ich die genaue Zahl nicht kenne, da das nicht das Wichtigste für mich ist, wenn ich Videos online stelle. Ich freue mich viel mehr über ernst gemeinte Kommentare und Rückmeldungen, als über eine Zahl. Es sind aber in etwa 40.000. Das ist schon eine Hausnummer. Es sind allerdings dann nur 10.000 bis 15.000 Klicks pro Video.

Eine beeindruckende Zahl. Trotzdem stehst du in ständigem Kontakt zu deinen Zuschauern. Wie machst du das?

Ja, ich kenne viele beim Namen. Viele schreiben mir E-Mails, schreiben Briefe oder auch über facebook. Die einfachste Möglichkeit, die Massen so schnell und direkt wie möglich zu erreichen, ist aber Twitter. Trotzdem kann es sein, dass ich mal drei Monate zur Beantwortung brauche…

Was wollen die Jugendlichen denn so wissen?

Das geht von Schminktipps bis zu der Frage, ob ich Ihnen bei ihrem Liebeskummer helfen könne. Da gebe ich dann aber meistens keine Antwort drauf. Ich bin nicht pädagogisch ausgebildet und nicht die Richtige um solche Fragen zu beantworten.

Wann hast du den „YouTube-Boom“ das erste Mal gespürt?

Das war vor allem im letzten Jahr. Seit 2010 ist YouTube so richtig explodiert. Ich hatte Glück, als ich angefangen habe, weil ich eine der ersten bei YouTube war, die Schmink-Tutorials gegeben hat. Heutzutage ist es schwer eine große Zahl von Zuschauern zu erreichen, weil YouTube einfach überschwemmt ist.

Viele Elf-  oder Zwölfjährige schreiben mir, dass sie Videos drehen möchten, ihre Eltern das aber nicht erlauben. Auch ich rate dann davon ab. Ich war damals alt genug, um auch mit den Schattenseiten, wie bösen Kommentaren, umzugehen. Ein elf-Jähriges Kind wäre wohl kaum in der Lage das zu verkraften.

Gehören denn „fiese“ Kommentare auf die Tagesordnung?

Ja. Jeder, der auch nur ein Video online stellt, bietet eine Angriffsfläche. Egal was man macht, irgendjemand findet immer etwas daran auszusetzen. Und viele, besonders die jungen Zuschauer, drücken das sehr direkt aus. Ich habe mittlerweile gelernt, damit umzugehen und viele Dinge muss man einfach ignorieren.

Hast du sonst schon schlechte Erfahrungen mit Youtube gemacht?

Nein, bisher zum Glück noch nicht. Natürlich gibt es immer wieder Lästerattacken oder Videos, in denen man hochgenommen wird, aber ansonsten ist das eine sehr friedliche Community.

YouTube ist auffällig stark geworden, was Werbung betrifft, so werden teilweise Werbeclips vor eure Videos geschaltet. Profitiert ihr davon?

Zu einem gewissen Teil haben wir sicherlich auch etwas davon, dennoch profitiert hauptsächlich YouTube davon. Aber unsere Abonnenten sind kritischer geworden. Häufig wird einem unterstellt, dass man z.B. Werbung für eine bestimmte Chipsmarke macht, nur weil diese zufällig im Hintergrund steht. Die Jugendlichen sind nicht dumm und stellen vieles kritisch in Frage.

Bietet YouTube die Chance, eine große Karriere zu machen?

Das ist unterschiedlich. Bei Komikern und Sängern, wie z.B. Justin Biber kann das sein. Bei der Videoart die ich mache, sage ich klipp und klar: Nein! Viele Kinder und Jugendliche machen sich da zu große Hoffnungen. Um einigermaßen erfolgreich zu werden, muss man kontinuierlich und hart arbeiten. Ich verbringe etwa 2 bis 3 Stunden pro Tag damit…

Zum Abschluss würde medienbewusst.de gerne wissen, ob du deine Kinder ohne Bedenken YouTube-Videos anschauen lassen würdest?

Erst ab einem bestimmten Alter. Und ich würde sicherlich auch gucken, was das für Videos sind. Ich weiß selbst, dass einige Eltern auch gucken was ich mache, weil ihre Kinder ihnen von mir erzählen.

medienbewusst.de bedankt sich bei Tamara Schmitt für das Interview und wünscht viel Erfolg für die Zukunft.

Saskia Schmidt

Bildquellen:
Porträtfoto zur Verf. gestellt v. Tamara Schmitt
© Vorstadt-Cinderella