Die Qual der (Berufs-) Wahl


An der Schwelle zwischen Schule und Arbeitsleben stellen sich Jugendliche viele Fragen: Was will ich? Was kann ich? Wo möchte ich hin? Neben der Erkundung der eigenen Fähigkeiten, Begabungen und Wünsche steht  so auch die Suche nach Ausbildungsmöglichkeiten an. Eine Ergänzung zum Gang zur Berufsberatung der Arbeitsagentur ist das Informieren über das Internet.

„Die Berufsorientierung ‚Online‘ steht ebenso wie die konventionelle Variante vor der Aufgabe, die Berufswähler so anzuleiten, dass sie mit gründlicher Überlegung vorgehen“, so Frank Fleischmann, Sprecher der Agentur für Arbeit in Suhl. „Schon früh vor Eintritt der Jugendlichen in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem – also bereits in der Schule – sollte die selbstständige Auseinandersetzung mit Fragen der Berufsorientierung beginnen.“

Mittlerweile gibt es viele Adressen im Netz, die bei der Berufsorientierung weiterhelfen. So erstellen Suchmaschinen nach Eingabe eines passenden Suchbegriffs wie etwa „Berufsinformation“ umfangreiche Trefferlisten mit zahlreichen Angeboten. Themen wie Berufswahl und Ausbildung werden z.B. auf dem Portal planet-beruf.de der Bundesagentur für Arbeit ausführlich behandelt. Die Jugendlichen können interaktiv die eigenen Interessen, Stärken und Wünsche erkunden und lernen die Anforderungen verschiedener Berufe kennen.

Einen Beitrag zum digitalen Informationsangebot leisten auch berufe.tv und der Verein Schulen ans Netz e.V., der mit beroobi.de ein interaktives und multimedial gestaltetes Portal zur Berufsorientierung für Schulabgänger bietet. Der Nutzer lernt u.a. mithilfe von Video- und Audiosequenzen und interaktiven Quizspielen verschiedenste Berufe kennen. „Die Güte einer Berufsorientierung und letztlich der Berufswahlentscheidung hängt von der mentalen und emotionalen Verarbeitung der Informationen und deren Umsetzung in effektive Handlungsschritte ab“, so Fleischmann.

Wer sich ausführlich über bereits spezifische Berufsbilder informieren möchte, kann dazu das BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit nutzen. Hier finden sich neben einem ausführlichen Überblick über die jeweiligen Tätigkeiten auch Informationen über die Ausbildungssituation, sowie über die Verdienst- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch berufliche Perspektiven und Alternativen werden aufgezeigt.

Eine Besonderheit der Berufsorientierung im Internet sind Websites, die sich an bestimmte Zielgruppen richten. mixopolis.de, ein weiteres Projekt von Schulen ans Netz e.V., spricht mit seinen Berufsinformationen vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Auch für Mädchen gibt es spezielle Angebote im Netz. Im Rahmen des Nationalen Paktes für mehr Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ging z.B. das Internet-Portal komm-mach-mint.de online. Ein weiteres Projekt mit der gleichen Zielsetzung ist cybermentor.de. Hier erhält jede teilnehmende Schülerin eine individuelle Mentorin, die bereits im Studien- oder Berufsleben steht. Der Austausch findet per E-Mail, Chat und Foren statt.

Trotzdem sollten auch die Möglichkeiten der „konventionellen“ Berufsberatung genutzt werden. Diesen Standpunkt vertritt Bernhard Kleierl, Diplom-Handelslehrer im beruflichen Schulwesen. „Das Internet bietet eine Fülle von Möglichkeiten, um sich grundsätzlich über spezifische Berufsbilder zu informieren, etwa auf speziellen Portalen zur Berufsorientierung oder Seiten von potenziellen Unternehmen.“ Für eine umfassendere und detailliertere Information verweist er jedoch auf die Angebote von Schulen: „Die Wirtschaftsschule etwa bietet eine wöchentliche Berufsberatung vor Ort, mehrtägige Berufswahlseminare oder BIZ -Besuche an, um die Schüler schon möglichst frühzeitig für  Fragen der Berufswahl zu sensibilisieren.“

Auch die Eltern nehmen laut Kleierl eine nicht unbedeutende Rolle bei der Berufsorientierung der Kinder ein, da sie „immer wieder zur Wahrnehmung von Angeboten anregen oder, wenn notwendig, auch selbst Wegweiser oder Türöffner für den ‚richtigen‘ Beruf sind.“ Fleischmann hingegen kritisiert genau diese Einflussnahme und sieht ein Problem darin, dass viele Jugendliche ihre Berufswahlentscheidung nicht durchdacht nach ihren Interessen und Fähigkeiten treffen. „Stattdessen entscheiden sie assoziativ und sprunghaft, oftmals geprägt von aktuellen Tagesereignissen und Wertvorstellungen ihrer Umgebung“.

Ob nun Berufsinformation online oder offline in Anspruch genommen wird – die Berufsorientierung gestaltet sich in der heutigen Zeit aufgrund der stetig wachsenden Vielfalt zunehmend schwierig. Die mittlerweile etwa 360 verschiedenen Ausbildungsberufe – von Studienmöglichkeiten gar nicht zu sprechen – sind dabei kaum zu überblicken. Da bleibt nur die Möglichkeit der vorherigen gründlichen Recherche über mögliche, interessante Berufswege oder die Entscheidung für Konfuzius, der schon früher wusste: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten!“.

Melanie Kleierl

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