Mit „Lennart im Grummeltal“ Erlebnisse verarbeiten


Einen Schritt weiter. Judith-Ariane Kleinschmidt erhielt im Rahmen des Kindermedien-Festivals „Goldener Spatz“ 2010 den Förderpreis der Mitteldeutschen Medienförderung. Die Autorin überzeugte die Jury mit „Lennart im Grummeltal“, ihrem ersten Konzept für ein Animationsserienformat. Über mehrere Monate hinweg hat die Teilnehmerin der Akademie für Kindermedien* das Projekt gemeinsam mit den Mentoren und Mitteilnehmern weiterentwickelt und detailliert ausgearbeitet. Im Gespräch mit medienbewusst.de erklärt sie, worauf es ihr im Hinblick auf die Zielgruppe ankommt und warum noch ein langer Weg vor ihr liegt.

Wer ist Lennart? Was macht er?

Lennart ist fünf Jahre alt und ein zarter, sensibler Junge, der sich viele Gedanken um sich und die Welt macht. Manchmal kommt er abends ins Grübeln und kann nicht einschlafen, weil ihm ein Ereignis des Tages nicht aus dem Kopf geht. Das ist der Moment, in dem er ins Grummeltal reist. Dort trifft er die skurrilen, aber auch liebenswürdigen Bewohner und erlebt mit ihnen kleine Abenteuer, die ein bisschen die Erlebnisse aus seiner Alltagswelt widerspiegeln.

Am Ende jeder Reise hat er dann auf das, was er zu Hause erlebt hat, einen gelösteren Blick und kann in Ruhe einschlafen.

Welche Herausforderungen bringt ein Animationsformat mit sich?

Mein derzeitiger Plan ist, das Projekt als klassische 2D-Zeichentrickanimation umzusetzen, mit sehr einfach gezeichneten Figuren und Settings, die vom Stil her ein wenig an Kinderzeichnungen erinnern. Aber ich bin auch offen für andere Animationsformen und könnte mir zum Beispiel auch eine Stop-Motion-Technik vorstellen, die sich an meinen Entwürfen orientiert. Ich werde das Projekt nicht selbst grafisch umsetzen, dafür fehlt mir das Know-how und die Erfahrung. Die Herausforderung wird also auch sein, jemanden zu finden, mit dem man die eigene Vision teilen und sie gemeinsam filmisch umsetzen kann.

Was zeichnet Ihr Projekt aus, welche Besonderheiten sind zu nennen?

Wichtig ist mir, sowohl aus einer künstlerischen Perspektive als auch in Hinblick auf Kinder als Rezipienten, Stereotype zu vermeiden. Das ist auch ein Grund für die Vielzahl an Charakteren, aus denen jeder Zuschauer seine ganz eigene Lieblings- und Identifikationsfigur auswählen kann. Die Figuren sollen unterschiedliche Facetten haben, wie es auch bei den Menschen ist.

Es werden nicht stringent einzelne Probleme aufgearbeitet, im Sinne von „Heute lernt Lennart, wie man dieses oder jenes Problem löst.“ Lennarts Alltagserlebnisse sollen im Grummeltal auf eine humorvolle und fantasievolle Art widergespiegelt werden und dabei auch eine neue Sicht auf die Situation ermöglichen. Möglichst ohne den didaktischen Zeigefinger.

Sollen die Zuschauer noch andere Dinge für mitnehmen?

Die Geschichten und Figuren sollen vor allem Spaß machen, man soll sich gern und mit einem Schmunzeln an sie erinnern. Im besten Fall soll dabei auf unterhaltsame Weise erfahrbar werden, dass es eben nicht nur eine Lösung für ein Problem gibt, sondern dass es darum geht, eine eigene Sicht zu entwickeln und seinen eigenen Weg zu finden. Den Blick zu öffnen, das ist mir wichtig.

Wie sieht es mit Verantwortung im Hinblick auf die jungen Rezipienten aus?

Verantwortungsgefühl im gesellschaftlichen oder pädagogischen Sinne hat meinen Arbeitsprozess nicht explizit beeinflusst oder geprägt. Solche Aspekte haben meiner Ansicht nach immer etwas mit einem erwachsenen Blick „von Oben“ zu tun. Bei meiner Arbeit ist mir aber wichtig, mich in die jungen Rezipienten hineinzuversetzen, sie ein Stück weit zu versuchen, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Und daraus dann die Geschichten und Situationen entstehen zu lassen.

Sie waren Teilnehmerin der Akademie für Kindermedien 2009/10*. Wie hat sich Ihr Projekt dadurch weiterentwickelt und verändert?

Die grundlegendste Änderung, noch vor Beginn des Arbeitsprozesses mit den Mentoren, war der Transfer von einem Spielfilm- in ein Serienformat. Das bedeutete, dass der Haupthandlungsstrang, der in dem Spielfilmentwurf angelegt war, fast komplett herausgenommen wurde und nur die Basis, das heißt die Figuren und die Grundkonstellation, beibehalten wurde. Daraus sind dann ganz neue Geschichten entstanden. In den Workshops wurde überlegt, welches das richtige Format ist, wie die Geschichten im Einzelnen aufgebaut sind, aus welcher Perspektive sie erzählt werden und wie sie visualisiert werden können.

Welche Chancen ergeben sich durch den Förderpreis und wie geht es weiter mit Ihrem Projekt?

Die Chancen, die sich ergeben, kann ich noch nicht richtig abschätzen. Ich bin momentan auf der Suche nach einer Produktionsfirma, mit der ich das Projekt umsetzen kann. Da ist natürlich ein Förderpreis eine gute Visitenkarte. Danach bzw. gleichzeitig muss ein Sender mit ins Boot geholt werden, weil die Serie für das Fernsehen produziert werden soll. Das alles sind aber Prozesse, die sich sehr lange hinziehen können. Für die Zwischenzeit habe ich den Plan, kleine Prosageschichten aus dem Stoff zu machen. Ein nächster Schritt könnte dann ein Trailer oder ein kurzer Pilotfilm sein.

Sie halten sich also durchaus verschiedene Varianten für die Umsetzung offen?

Ja, das muss man. Es wäre naiv zu glauben, dass man morgen mit der Produktion der ganzen Serie beginnen kann.

medienbewusst.de bedankt sich bei Judith-Ariane Kleinschmidt für das Gespräch und wünscht ihr viel Erfolg mit der filmischen Umsetzung von „Lennart im Grummeltal“.

Robert Köhler

Bildquelle: © Portraitfoto zur Verf. gestellt v. Judith-Ariane Kleinschmidt

*Anmerkung der Chefredaktion:

Eine Bewerbung für die Akademie für Kindermedien 2010/11 (an der Judith-Ariane Kleinschmidt im vergangenen Jahr teilgenommen hat) ist in diesem Jahr noch bis zum 03. September möglich. Dabei werden Autoren und Entwickler mit innovativen Projektideen für Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren gesucht. Bewerben kann man sich hier.