Von Jugendlichen für Jugendliche – „Stress Ops“ im Test


27 Jugendliche aus Sachsen haben innerhalb von drei Monaten im Rahmen des Projekts „AMD Changing the Game“ ein Videospiel entwickelt und damit zahlreiche Preise auf Medienfestivals gewonnen. Kann „Stress Ops“ auch junge Spieler überzeugen? medienbewusst.de schaute sich das Spiel einmal genauer an.

Story und Gameplay

Bald ist Schulschluss, die Liste für den Urlaub ist gemacht, die Sommerferien stehen an. Wäre da nicht der fürchterliche Klassenleiter, der noch schnell Abschlusstests in allen Fächern ankündigt! Noch schlimmer: Wegen unseren schlechten Noten müssen wir heute mindestens eine Drei in jedem Fach schaffen, sonst droht die Nachhilfeschule mit gesundem Essen und ohne Hitzefrei während der Ferien. Jetzt brauchen wir Hilfe!

Mit dieser Einleitung beginnt Stress Ops. Von Jugendlichen entwickelt, spiegelt das Spiel wieder, was sie in diesem Alter beschäftigt: Leistungsdruck, Schulstress und die Freunde auf baldige Ferien. Der Spieler kann sich für einen namenlosen männlichen oder weiblichen Charakter entscheiden, auf das Spiel hat die Wahl der Spielfigur keine Auswirkung. Das Spiel lässt uns nun in mehreren Levels die Tests schreiben, einleitende Zwischensequenzen bereiten uns jeweils auf das nächste Level vor. Langweilige Prüfungen müssen wir natürlich nicht wirklich schreiben. Der Plot dient allein als Hintergrund für ein klassisches 2D-Jump-And-Run. Dies bedeutet, dass der Spieler nur Laufen und Springen kann. Dabei befinden wir uns im Kopf unseres Charakters: wir müssen kleine Blasen mit Gedanken zu dem jeweiligen Fach fangen, in Biologie beispielsweise DNA-Stränge, Frösche und Blumen.

Schwierig macht diese Aufgabe das Springen und Laufen durch die Levels sowie unzählige Gegner und verschiedene Arten der Ablenkung. So wollen wir während des Tests essen, Musik hören oder mit dem Mobiltelefon spielen. Die Gegner, denen es auszuweichen gilt, werden mit jedem Level schwieriger. Im ersten Level laufen die kleinen Hamburger noch gemütlich geradeaus, aber gegen Ende fliegen die SMS unseres Telefons mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Das Spiel lässt uns nur wenig Zeit für die Prüfungen. Mit jeder Gedankenblase, die wir in den fünf Levels – Bio, Chemie, Musik, Mathe und Geschichte – aufsammeln, verbessert sich unsere Note bis hin zur 1+. Schaffen wir bis zum Ende einer Prüfung keine 3-, heißt es Game Over oder mit den Worten des Spiels gesagt: Nachhilfe.



Steuerung, Musik und Grafik

Die grafische und technische Umsetzung des Spiels wurde von Jugendlichen realisiert. Sicherlich finden sich kleine Fehler bezüglich der Rechtschreibung und der Wortwahl. Jedoch sind Musik und Geräusche stimmig gewählt. Die Grafik ist handgezeichnet und im Comiclook gehalten und überzeugt durchgängig.

Die Gestaltung der Level ist sich größtenteils sehr ähnlich und erfordert kein besonderes Geschick. Die Stärke und das Potenzial des Spiels zeigt sich vor allem bei der Musik-Prüfung. Dieses Level überzeugt, da wir Zeit und Sprunggenauigkeit brauchen, um es mittels Gedankenblasen zu einer 1+ zu bringen. Es gibt keine verschiedenen Schwierigkeitsgerade und wenn der Spieler im letzten Level verliert, muss er erneut mit der ersten Prüfung beginnen. Das Spiel ist leicht verständlich und das Durchspielen dauert nicht mehr als eine viertel Stunde, was dazu führt, dass das Spiel auf Dauer eintönig wird.

Fazit

Was hier eine Schulklasse in relativ kurzer Zeit programmiert hat, verdient Anerkennung und lässt staunen. Allein deswegen lohnt es sich, Kinder und Jugendliche dieses Programm spielen zu lassen. Es zeigt, was man ohne Erfahrung, aber mit Begeisterung produzieren kann.

Stefan Köhler

Bildquelle:
© Stress Ops